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Anpassung

Gasumstellung von H- zu L-Gas: Das kommt auf Gaskunden zu

Wer ein Erdgasauto fährt, dem ist vielleicht schon einmal aufgefallen, dass an Tankstellen zwischen H-Gas und L-Gas unterschieden wird. Was der Unterschied dazwischen genau ist und wie relevant er auch für Heizung und andere Gasanwendungen ist, erfahren sie hier.

Erdgasspeicher© Turbowerner / Fotolia.com

Um die Autofahrer direkt zu beruhigen: Gasautos kommen mit beiden Gastypen problemlos klar. Für andere Anwendungen ist das jedoch nicht so einfach. So hat das L-Gas (Low-Gas) einen wesentlich geringeren Methangehalt, als sein Gegenstück H-Gas (High-Gas). Daraus resultiert ein geringerer Heizwert, aber auf der anderen Seite lässt sich das Low-Gas auch billiger fördern. Unterm Strich bezahlt man bei beiden Gassorten etwa das gleiche für seine Energie.

Zusammenlegung des Gasnetzes

Vor 2006 gab es in Deutschland noch 28 unabhängige Gasmarktgebiete. Inzwischen ist diese Zahl auf überschaubare zwei gesunken. Umgesetzt wurde diese Regulierung, um die Einstiegschancen neuer Gasanbieter zu verbessern und die Versorgungslage in ganz Deutschland abzusichern. Ob man nun L- oder H-Gas bezieht lässt sich aus dem eigenen Gasmarktgebiet deshalb nur bedingt ableiten. Grob kann man sagen, dass die Chance in Nordwestdeutschland L-Gas zu beziehen im Moment noch recht hoch ist, denn neben den Niederlanden ist diese Ecke von Deutschland ein Hauptförderer des L-Gases. Andernorts bezieht man mit hoher Wahrscheinlichkeit H-Gas, das zum Beispiel aus osteuropäischen Ländern, genauer den Mitgliedern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), importiert oder in der Nordsee vor Deutschland oder Skandinavien gefördert wird.

Umstellung auf H-Gas

Im ersten Moment hört sich die Situation also recht unproblematisch an: Egal ob man L- oder H-Gas bezieht, die eigene Technik ist darauf ausgelegt und man bezahlt auch nicht wirklich mehr oder weniger. Trotzdem zeichnet sich in den letzten Jahren ein Problem ab: Das L-Gas versiegt. Die Fördermenge in Norddeutschland und den Niederlanden ist beständig am Fallen, weshalb auf Bundesebene beschlossen wurde, das gesamte Gasnetz auf H-Gas umzustellen, um die langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Angelaufen ist das Umstellungsprojekt im Mai 2015 und wird vermutlich bis 2029 andauern. Warum so lange? Es sind über vier Millionen Erdgasabnehmer betroffen.

Wie genau läuft die Umstellung?

Die drängendste Frage ist an dieser Stelle natürlich, was das für den eigenen Haushalt oder das eigene Unternehmen bedeutet – sofern man L-Gas bezieht. Neben Umbauten im Netz selbst, müssen nämlich auch viele der bisher mit L-Gas betriebenen Geräte umgerüstet oder neu eingestellt werden. Auf jeden Abnehmer kommt diese Umstellung in drei Schritten zu:

  • Grob ein Jahr vor dem eigentlichen Umstellungstermin wird man vom zuständigen Unternehmen kontaktiert, was zum Beispiel der eigene Gasanbieter, ein Netzbetreiber oder ein beauftragtes Unternehmen sein kann. Nach Terminabsprache schicken diese jemanden zu Ihnen, der alle Gasgeräte erfasst und feststellt, was umgestellt werden muss.
  • Steht dann der genaue Umstellungstermin fest, meldet sich abermals das zuständige Unternehmen teilt den Termin für die Umstellung mit. Hat man zufällig keine Zeit, können Nachbarn oder Familienmitglieder den Installateuren Zugang verschaffen.
  • Der dritte Schritt kommt danach jedoch nur noch auf jeden zehnten Haushalt zu: Die Qualitätskontrolle. Diese letzte Kontrolle erfolgt, um sicherzustellen, dass die beauftragten Unternehmen ordnungsgemäß arbeiten und die Sicherheit der Umstellung zu erhöhen. Dabei findet wie im ersten Schritt eine Terminabsprache statt.

Abschließend kann man festhalten, dass die Umstellung für die meisten recht stressfrei über die Bühne gehen sollte. Man wird in jedem Fall vor den nötigen Terminen kontaktiert und muss für die Umrüstung auch erstmal nichts bezahlen. Allerdings werden die Kosten für die Umrüstung über die Netzentgelte auf alle Kunden umgelegt.