Startseite
Energiewende

Abgesang auf die großen Kraftwerke

Den kommunalen Stadtwerken gehe es schlecht, klagt der Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Nun hofft man beim VKU darauf, dass die große Koalition andere, bessere Marktbedingungen schafft. Zukunftschancen sieht man beim Verband etwa in kleineren, dezentralen Kraftwerken.

Energiekosten© gabrielejasmin / Fotolia.com

München (dpa-AFX/red) - Viele der 900 kommunalen Stromanbieter haben seit dem beschleunigten Atomausstieg in neue Gas- oder Kohlekraftwerke investiert, doch die neuen Anlagen kommen angesichts der Vorfahrt von Erneuerbaren Energien bei der Einspeisung ins Stromnetz kaum zum Einsatz. "In vielen Regionen wird das in den nächsten Jahren zum ernsten Problem", warnte Ivo Gönner, Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) und Oberbürgermeister von Ulm, im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag).

Einnahmen decken Investitionen nicht

Wie in Ulm hätten die Kommunen vielerorts viel Geld für neue Kraftwerke ausgegeben. "Den hohen Ausgaben stehen kaum Einnahmen gegenüber. Wir bleiben auf Investitionen sitzen und nehmen im Moment als Stadt viel Geld in die Hand, um unser Stadtwerk zu stabilisieren. Und so geht es vielen Städten im ganzen Land." Damit werden die Stadtwerke immer stärker in den Strudel der Branchenkrise, die die großen Versorger wie E.on und RWE schon voll erwischt hat, gerissen.

Umweltfreundliche Kraftwerke unterstützen

Nun hofft der VKU auf eine "wirksame Reform der Marktbedingungen durch die neue Bundesregierung". Dabei sind laut Gönner zwei Punkte wichtig: "Eine klare Bevorzugung umweltfreundlicher neuer Kraftwerke mit niedrigen Emissionen und ein Modell, das künftig auch die Bereitstellung von Energie durch Kraftwerke honoriert." Gönner plädiert dafür, den Handel mit Emissionsrechten zu stärken, so dass die saubersten Kraftwerke bei der Stromeinspeisung als erste zum Zuge kommen.

Zeit großer Kraftwerke vorbei

Zukunftschancen sieht Gönner in kleineren dezentralen Kraftwerken. "Die sind für die Stadtwerke eine große Chance. Man kann ja auch ein Quartier oder eine Schule so mit Strom und Wärme versorgen. Stadtwerke können zum Zentrum kleiner Versorgungsinseln werden", sagt Gönner und fügt an: "Die Zeit großer Kraftwerke ist in jedem Fall vorbei."

Zahlung nach Anschlussart

Mit Blick auf die Verteilung der Kosten von Energie sieht der VKU-Präsident ein Gerechtigkeitsproblem. Strombezieher müssten über ihre Stromrechnung Netzentgelte bezahlen, jene, die mit einer Solaranlage Strom ins Netz einspeisten, aber nicht. "Der Kreis der Haushalte, die zahlen, wird so immer kleiner. Gerecht ist das nicht, denn letztlich profitieren alle vom Netz", sagt Gönner. Seiner Meinung nach sollten Stromkunden die Netze nicht mehr nach Verbrauch, sondern nach Anschluss bezahlen.