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"Schleichende Desinvestition"

Abwanderung von Firmen in die USA befürchtet

Führende Wirtschaftsverbände haben angesichts hoher Energiekosten vor einer Abwanderung deutscher Unternehmen in die USA gewarnt. Der Hintergrund: Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama hat mit ihrer Unterstützung der Gasförderung im Inland für sinkende Energiepreise gesorgt - was Investitionen natürlich anzieht.

USA

Düsseldorf (AFP/red) - Das sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, dem "Handelsblatt" vom Mittwoch. "Das bedeutet für uns, dass einige Unternehmen verstärkt dort investieren werden."

Chancen etwa für Chemieunternehmen

Deutschland müsse deshalb "aufpassen, dass sich damit kein Prozess einer schleichenden Desinvestition festsetzt" - also dass sich Unternehmen schrittweise vom Standort Deutschland verabschiedeten, sagte Grillo der Zeitung. So könnten etwa Chemieunternehmen und Zulieferer in die USA ziehen. Wacker Chemie startete 2011 den Bau einer Fabrik im US-Bundesstaat Tennessee, die 2015 die Produktion aufnehmen soll. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF sieht angesichts der niedrigen Gaspreise in den USA klare Wettbewerbsvorteile.

Ähnlich wie der BDI warnt auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vor der wachsenden Attraktivität des Standorts USA. "Im Vergleich zu Europa sind die USA deutlich attraktiver geworden", sagte DIHK-Chef Martin Wansleben laut "Handelsblatt".

Beschlüsse zur Energiepolitik in Brüssel erwartet

Die USA haben in den vergangenen Jahren die sogenannte Fracking-Technologie massiv vorangetrieben, mit der Gas aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten gelöst und gefördert werden kann. Die Bundesregierung will ein Gesetz auf den Weg bringen, dass die Bedingungen festlegen soll, unter denen die Technologie auch in Deutschland eingesetzt werden darf. Allerdings gibt es auch massive Bedenken und Kritik am Fracking.

Fracking" steht für "hydraulic fracturing", was so viel wie hydraulisches Aufbrechen bedeutet. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien in unterirdische Gesteinsschichten gepresst und dadurch Druck erzeugt, um Gas oder auch Öl freizusetzen. Kritiker bemängeln unter anderem den Einsatz der Chemikalien, in denen sie eine Gefahr für das Trinkwasser sehen. Am Mittwoch wollen die Staats- und Regierungschefs der EU auf einem Gipfeltreffen Beschlüsse verabschieden, die eine finanzierbare Energieversorgung für Industrie und Verbraucher gewährleisten sollen.

Quelle: AFP