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Lieferstopp

Ägypten kündigt Gasliefervertrag mit Israel

Ägypten hat einen Vertrag über Gaslieferungen an Israel aufgekündigt und damit einen Teil der israelischen Stromproduktion in Frage gestellt. Wie die von der Regierung kontrollierte Gasgesellschaft EGAS mitteilte, bezieht sich die Kündigung auf einen Vertrag aus dem Jahr 2005, der in Ägypten stets umstritten war.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Kairo/Jerusalem (afp/red) - Israels Regierung sprach am Montag von einem "Handelsstreit" ohne "diplomatische" Auswirkungen. Die Gasgesellschaft EGAS kündigte einen Vertrag mit der Exportgesellschaft East Mediterranean Gas Co (EMG) und begründete dies am Sonntagabend mit "Vertragsverletzungen". Ägypten liefert rund 40 Prozent des von Israel benötigten Erdgases. Die Lieferungen waren auf Basis des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags von 1979 vereinbart worden. Die Vertragslaufzeit von 15 Jahren begann im Jahr 2008; vereinbart wurde die Lieferung von 1,7 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr.

Nichts gegen einen neuen Vertrag mit neuen Bedingungen

Die ägyptische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Faisa Abul Naga, sagte, ihr Land habe nichts gegen eine neue Vertragsvereinbarung einzuwenden, "mit neuen Bedingungen und einem neuen Preis". Israel sei vor der Kündigung des Liefervertrags fünf Mal darauf hingewiesen worden, dass es seine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllt habe, sagte Abul Naga. Energieminister Hassan Junis sagte, das Erdgas, das nicht an Israel geliefert werde, werde nun in Ägypten genutzt.

Keine Gefahr für diplomatische Beziehungen

Sowohl der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch Außenminister Avigdor Lieberman stuften die politischen Auswirkungen am Montag als gering ein. Es gebe einen "juristischen Streit zwischen Unternehmen in Israel und Ägypten", erklärte Netanjahus Sprecher Ofir Gendelman. Auch wenn dieser "noch nicht gelöst" sei, habe dies "mit den diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Ägypten nichts zu tun". Lieberman sagte, er hoffe, "dass dies wie jeder andere Handelsstreit beigelegt wird". Das von Islamisten dominierte Parlament in Kairo begrüßte den Lieferstopp "in das zionistische Gebiet". Diese Maßnahme spiegele den Volkswillen wider.

Auch Jordanien ist betroffen

Auf die Gas-Pipeline, durch die Gas für Israel und Jordanien fließt, wurden seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak bereits 14 Anschläge verübt. Aus diesem Grund verfolgt die israelische Regierung Pläne für eine Erdgasgewinnung aus Gasfeldern unter dem östlichen Mittelmeer. Mit Zypern wurde bereits über den genauen Grenzverlauf verhandelt. Allerdings erhebt auch der Libanon Anspruch auf die Vorkommen.

Der Stopp der Erdgaslieferungen nach Israel betrifft auch Jordanien, dessen Elektrizitätswerke zu 80 Prozent von ägyptischem Erdgas abhängen. Die Regierung in Amman zeigte sich besorgt über die instabilen Lieferungen. Die Gasleitung nach Israel versorgt auch Jordanien.