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Altmaier: Kein Fracking "auf absehbare Zeit"

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will die Auflagen für die Förderung von schwer zugänglichem Schiefergas mittels der umstrittenen Fracking-Methode verschärfen, stellt sich aber nicht per se gegen die Methode. "Die Botschaft ist: Wir wollen Fracking einschränken, wir wollen es nicht ermöglichen", sagte der Minister am Montag im Deutschlandfunk.

Gastank© Zeljko Radojko / Fotolia.com

Berlin/Mannheim (AFP/red) - Altmaier sehe nicht, dass die Methode "auf absehbare Zeit irgendwo in Deutschland zur Anwendung kommt". Beim Fracking wird Flüssigkeit ins Gestein gepresst und dadurch Druck erzeugt, um Öl und Gas freizusetzen. Kritiker bemängeln unter anderem den Einsatz von Chemikalien, in denen sie eine Gefahr für das Trinkwasser sehen.

Der "Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, die Regierungskoalition wolle die Schiefergasförderung mittels Fracking noch vor den Wahlen im September anschieben. Dies sei falsch, sagte Altmaier, es gehe vielmehr darum, die bisherige Gesetzeslage "deutlich einzuschränken". So werde die Regierung klarstellen, dass Fracking in Trinkwasserschutzgebieten grundsätzlich verboten sei. In allen anderen Regionen sollten "wesentlich strengere Voraussetzungen im Planungsrecht" gelten; so solle eine Umweltverträglichkeitsprüfung "zwingend notwendig" sein.

Opposition fürchtet Freigabe von Fracking

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf Altmaier vor, er wolle das Fracking mit den neuen Regeln vereinfachen. "Das ist ein Fracking-Legalisierungs-Gesetz", sagte Trittin "Spiegel Online" am Montag. "Wir haben zum ersten Mal einen Umweltminister, der sich für diese Technologie einsetzt - das ist schon eine spannende Botschaft." Trittin kündigte Widerstand gegen die Pläne Altmaiers im Bundesrat an.

Das tat auch der Regierungschef von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD), gegenüber "Spiegel Online". "Ich lasse keine giftigen Chemikalien in schleswig-holsteinischen Boden pumpen, ohne genau zu wissen, dass dies keine negativen Folgen hat." Albig forderte, den Prozess offen und transparent zu gestalten. "Wir müssen alle, die in Sorge sind, auf diesem Weg mitnehmen und ernst nehmen."

In Deutschland finden sich schwer zugängliche Schiefergasvorkommen über das Land verteilt in verschiedenen Regionen, unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.Genehmigungen für Fördervorhaben müssen die Bundesländer aussprechen, was bislang aber faktisch nicht geschieht. Die Länder hatten vom Bund gefordert, zunächst klare gesetzliche Regelungen für das Fracking zu schaffen. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern unter der Oberfläche der Bundesrepublik bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Gas aus solchen Vorkommen. Damit könnte Deutschland über ein Jahrzehnt ohne Lieferungen aus dem Ausland auskommen.

Studie zweifelt an Rentabilität von Fracking

Die Ausbeutung schwer zugänglicher Gasvorkommen ist in Deutschland und der EU einer Studie zufolge allerdings weit entfernt von wirtschaftlicher Rentabilität. Bei den aktuellen Gaspreisen würde sich der Einsatz der umstrittenen "Fracking"-Methode zur Gewinnung von Schiefergas "überhaupt nicht lohnen". Das teilte Anfang Februar das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim mit. Erst wenn die Preise für konventionell gefördertes Gas "deutlich stiegen, wäre eine Förderung in der EU wirtschaftlich sinnvoll".

Quelle: AFP