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Emissionen

Atomausstieg: Wissenschaftler raten zu Gas statt Kohle

Wissenschaftler raten dazu, als Ersatz für abgeschaltete Atomkraftwerke eher auf Gas als auf Kohle zu setzen. Dies führe bei ungefähr gleichem Preis zu niedrigeren CO2-Emissionen und mehr Wettbewerb, sagte Professor Thomas Bruckner von der Universität Leipzig auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Der Vize-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, sagte, die Energiewende sei "eines der größten sozialen Experimente, die es in Deutschland bisher gegeben hat, etwa vergleichbar mit der deutschen Einheit". Die Herausforderung liege dabei aber weniger im Atomausstieg und seinen Folgen, als in der Umstellung auf erneuerbare Energien und mehr Effizienz.

Auswirkungen auf den Strompreis

Mehrbelastungen beim Strompreis seien durch einen Atomausstieg im Zeitraum 2020 bis 2022 kaum zu erwarten, sagte Bruckner. Einer von ihm und Edenhofer vorgelegten Studie für die FES zufolge dürfte der Spotmarktpreis für Strom deswegen im Jahr 2015 um 0,7 Cent pro Kilowattstunde höher liegen als bei einem Ausstieg erst 2038, wie es Union und FDP zeitweise planten. Später dürfte der Strompreis dann bei einem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien aber wieder sinken.

Mit zusätzlichen Mehrkosten von noch einmal 0,8 Cent pro Kilowattstunde wäre demnach bei einem beschleunigten Atomausstieg bereits 2015 zu rechnen. Auch wäre dies mit einer vorübergehenden, deutlichen Zunahme der CO2-Emissionen verbunden, was sich bei einem Ausstieg 2020 oder 2022 weitgehend vermeiden lasse. Auswirken würden sich die höheren Emissionen allerdings weniger auf den Klimaschutz, da der CO2-Ausstoß in Europa durch den Emissionshandel gedeckelt ist, als auf den Preis der Emissionszertifikate und damit indirekt auch wieder auf den Strompreis.

Elf Gigawatt müssen ersetzt werden

Den Bedarf an Ersatzkapazitäten für den kompletten Wegfall der deutschen Atomkraftwerke bezifferte Bruckner mit etwa elf Gigawatt Leistung. Demnach verfügten die AKW vor der Abschaltung der Altreaktoren im März zusammen über eine Leistung von 21 Gigawatt, von denen aber zehn Gigawatt wegen vorheriger Überkapazitäten ohne weiteres verzichtbar seien.

Gleichwohl halten die Forscher den Bau zusätzlicher fossiler Kraftwerke über die bereits im Bau befindlichen Anlagen hinaus dann für erforderlich, wenn zugleich ältere Kohlekraftwerke durch moderne effizientere Anlagen ersetzt werden sollen. Dabei seien Gaskraftwerke die klimaverträglichere Variante, auch wenn es finanziell kaum einen Unterschied machen würde. Edenhofer riet ähnlich wie auch die von der Regierung eingesetzte Ethikkommission dazu, die Energiewende durch ein unabhängiges Expertengremium, einen "Ständigen Rat für Energie- und Klimapolitik" zu begleiten.