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Sanktionen

Atomstreit: Einigung birgt Potenzial für Ölkonzerne

Das Grundsatz-Abkommen im Atomstreit mit dem Iran birgt für die westlichen Ölkonzerne neue Marktchancen. Denn in dem Land befinden sich riesige Gas- und Ölreserven. Fallen die Sanktionen in Folge der Einigung stehen die Erdölkonzerne bereits Schlange.

Erdöl Bohrung© Paul Fleet / Fotolia.com

Paris (AFP/red) - Nach der Grundsatz-Einigung im Atomstreit mit dem Iran stehen viele westliche Erdölkonzerne in den Startlöchern: Wenn die jahrelangen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, hoffen sie auf lukrative Verträge in dem Land, das über riesige Erdöl- und Gasvorkommen verfügt. Eine Reihe von Hindernissen müssen aber erst noch überwunden werden.

Rückzug westlicher Öl-Firmen

Die ab 1979 von den USA verhängten Sanktionen gegen den Iran, gefolgt ab 2006 von der UNO und der EU, hatten einen schrittweisen Rückzug der großen westlichen Erdölkonzerne aus dem Land zur Folge. Der französische Energieriese Total verließ 2008 als letztes westliches Erdöl-Unternehmen das Land. Heute sind einige chinesische und indische Firmen vor Ort.

Zweitgrößte Gasreserven weltweit

Die Aussicht auf eine Aufhebung der Sanktionen birgt für die westlichen Ölkonzerne ein seltenes Potenzial: Trotz der Sanktionen ist der Iran auch heute noch der fünftgrößte Produzent der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). 2,81 Millionen Barrel Öl wurden pro Tag im Jahr 2014 im Durchschnitt produziert gegenüber vier Millionen Barrel im Jahr 2008. Der Export lag bei etwa 1,1 Millionen Barrel. Beim Gas verfügt das Land über die zweitgrößten Reserven weltweit nach Russland.

Experten wie Francis Perrin von der auf Energiefragen spezialisierten Zeitschriftengruppe "Stratégies et politiques énergétiques" (SPE) heben daher das "beträchtliche Potenzial" des Iran bei Öl und auch bei Gas hervor: "Wenige Länder haben beides zugleich."

Details zum Rahmenprogramm im Juni

Doch eine Rückkehr der Ölkonzerne wird erst in mehreren Monaten möglich sein, hebt Pierre Terzian von der Zeitschrift "Pétrostratégies" hervor. Zunächst müsse das Rahmenabkommen mit dem Iran vom Donnerstag bis zum 30. Juni mit "technischen Details" ausgefüllt werden, um zu einem "endgültigen Abkommen" zu kommen. Zudem gibt es noch keine Übereinkunft über einen Zeitplan für eine Aufhebung der Sanktionen, die der Iran gerne beendet sähe.

Mehr Öl auf dem Markt

Sobald die Sanktionen aufgehoben sind, dürfte der Iran zunächst das Öl auf den Markt werfen, das sich in seinen Lagern angesammelt hat. Dann könnte die Produktion noch "vor Jahresende" deutlich erhöht werden, schätzt der Ökonom Guy Maisonnier vom Energieforschungszentrum IFPEN. Er erinnert daran, dass der Iran noch im Jahr 2012 3,4 bis 3,6 Millionen Barrel täglich produzierte.

Ein Produktionsanstieg hängt aber auch vom Zustand der Förderanlagen und Raffinerien ab. Der Iran, der über Jahre von westlicher Technologie abgeschnitten war, macht keinen Hehl aus seiner Bereitschaft, ausländische Ölkonzerne zurück ins Land zu holen. So hatte Präsident Hassan Ruhani beim Weltwirtschaftsforum von Davos im vergangenen Jahr den Westen aufgerufen, in den iranischen Energiesektor zu investieren.

Neue Art von Öl-Verträgen?

Für die Firmen kommt es dabei aber auch auf die Verträge an. Während weltweit die meisten Verträge in der Ölbranche als Konzessionen oder mit einer Aufteilung der Produktion abgeschlossen werden, setzt der Iran auf "buy-back"-Verträge. Dabei werden die Unternehmen entsprechend der Investitionen vergütet, die sie in den Anlagen tätigen. Die Produktion selbst geht an das nationale Öl-Unternehmen NIOC.

Dem Iran sei das Problem bewusst, sagt der Experte Perrin. "Der Iran arbeitet seit einiger Zeit an einer neuen Version für Öl-Verträge", die ausländischen Unternehmen größere Anreize bieten sollen. Denn das Land "will mit den Besten arbeiten". Während für viele US-Firmen wegen ihrer langjährigen Abwesenheit eine Rückkehr schwieriger ist, könnten große europäische Ölfirmen wie Total, Eni oder Shell gute Karten haben. Umso mehr, meint Perrin, als der Iran "nicht sehr zufrieden" mit den asiatischen Ölkonzernen in seinem Land sei.

Quelle: AFP