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Aus Strom wird Gas: RWE nimmt Pilotanlage in Betrieb

Die Speicherung von Strom aus Wind und Sonne gilt als eines der Kernprobleme bei der Energiewende. Eine Lösung könnte die "power to gas"-Technologie liefern, bei der Strom in Gas umgewandelt wird. RWE hat gerade eine solche Anlage in Betrieb genommen.

RWE

Ibbenbüren (dpa/red) – Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE hat am Montag eine moderne Anlage zur Speicherung von Wind- und Sonnenstrom in Betrieb genommen. Die Pilotanlage in Ibbenbüren im Münsterland wandelt Strom in Wasserstoff um. Das Gas kann gespeichert und bei Bedarf in einem Blockheizkraftwerk wieder zu Strom gemacht werden. Das Verfahren könne "eine Schlüsselrolle für die Energiewende einnehmen", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD).

Kernproblem der Energiewende: Stromspeicherung

Immer mehr Windkraft- und Sonnenenergieanlagen gehen ans Netz. So wird an vielen Tagen im Jahr Strom im Überfluss produziert - teuer und belastend für die Netze. Solange Wind- und Sonnenstrom nicht in großen Mengen gespeichert werden kann, lahmt die Energiewende. Eine Umwandlung des Stroms in Wasserstoff und Methan ("power to gas") könnte da den Durchbruch bringen. Bisher ist die Technik allerdings nicht effizient genug. Branchenweit gibt es knapp zwei Dutzend ähnliche Projekte wie das von RWE. Sie werden vielfach vom Bund mit Forschungsmitteln unterstützt.

Wie genau funktioniert "power to gas"

Das Verfahren ist simpel und Manchem vielleicht noch aus dem Physik- oder Chemieunterricht in Erinnerung: Mit Strom lässt sich in einer Lösung per Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff trennen. Der Wasserstoff kann in einem zweiten Schritt mit CO2 zu Methan weiterverarbeitet werden, das sich kaum von natürlichem Erdgas unterscheidet. Modernere Elektrolyse-Verfahren wie das in der RWE-Anlage funktionieren mit einer Membran aus einem Material ähnlich wie Teflon.

Vorteil: Große Stromspeicher würden entstehen

Gas lässt sich problemlos speichern und transportieren: Theoretisch stünde dafür das gesamte deutsche Gasnetz von rund 400.000 Kilometern Leitung mit zahlreichen unterirdischen Gasspeichern bereit. Laut dem Gasfachverband DVGW könnte allein in den Speichern der deutsche Strombedarf für 2.000 Stunden, also fast drei Monate, in Gasform gelagert werden. Bei Bedarf lässt sich das Gas mit bewährter Technik wieder zu Strom umwandeln. In der RWE-Anlage treibt der Wasserstoff ein Blockheizkraftwerk für das Ibbenbürener Strom- und Fernwärmenetz an. Außerdem kann man den Wasserstoff direkt verbrauchen, um mit Brennstoffzellen Autos anzutreiben, oder in geringerer Menge dem Gasnetz beimischen.

Verfahren muss effizienter werden

Das Problem: Bisher ist die Technik nicht effizient genug. Bei einem Elektrolyse-Wirkungsgrad von rund 70 Prozent ist nach einer anschließenden Rückverstromung schon rund die Hälfte der Energie verloren. Eine weitere Umwandlung in Methan würde noch deutlich mehr Energie schlucken. Außerdem rechnen sich derzeit schon Kraftwerke mit natürlichem Gas nicht - künstlich erzeugtes Gas habe da erst recht keine Chance, sagen Kritiker. Wirtschaftlich arbeitet auch die Anlage des RWE-Konkurrenten Eon im brandenburgischen Falkenhagen nicht.

Doppelte Subventionierung der Erneuerbaren?

Der Kostenvergleich führt aus Sicht der Befürworter in die Irre, da für "Power to gas" überschüssiger Strom verwendet werden soll - also vor allem die mehreren hundert Gigawatt Windkraft pro Jahr, die derzeit mangels Speicher gar nicht erst gewonnen werden. Wenn Deutschland 2050 seinen Energiebedarf zu 80 Prozent aus regenerativen Quellen deckt, gehe an den Gasspeichern ohnehin kein Weg vorbei. Deshalb solle die Politik die Speicheranlagen zumindest als Startanreiz finanziell fördern, sagt der DVGW. Das lehnen Kritiker als Doppelsubventionierung ab, da schon der Strom aus Windkraft und Photovoltaik subventioniert wird.

Verbraucher unterstützen die Technik

Umweltbewusste Kunden unterstützen die Technik. Der Energieversorger Greenpeace Energy, der im Dezember 2014 einen "Pro-Windgas"-Gastarif an den Markt brachte, fand in der kurzen Zeit laut einem Sprecher bereits 10.500 Kunden - trotz eines Preises über Marktniveau mit einem "Innovationsaufschlag" von 0,4 Cent pro Kilowattstunde für die Weiterentwicklung der Technik.

Quelle: DPA