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Undichte Leitungen

Bei Erdgasförderung gelangten Giftstoffe ins Grundwasser

In Niedersachsen sind bei der Erdgasförderung giftige Stoffe wie Quecksilber und aromatische Kohlenwasserstoffe in Erdreich und Grundwasser gelangt. Eine Leitung wies neun Lecks auf, durch die sogenanntes Lagerstättenwasser austrat. Die Grünen fordern Aufklärung von der Regierung und dem Förderkonzern ExxonMobil.

Gaspreise© photoGrapHie / Fotolia.com

Hamburg (red) - Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover, bestätigte dem NDR Wirtschafts- und Verbrauchermagazin "Markt": "An insgesamt neun Lokationen kam es zu einer Schadensausbreitung. Bei der Sanierung wurden 2.500 Kubikmeter verunreinigter Boden entnommen, entsorgt und ersetzt."

Aus neun Lecks trat Lagerstättenwasser aus

In Niedersachsen fördert der amerikanische Konzern ExxonMobil seit Jahrzehnten Erdgas. Nach Recherchen von "Markt" gab es beim Erdgasfeld Söhlingen im Landkreis Rotenburg/Wümme neun Leckagen an einer Leitung. Die Leitung transportierte aus dem geförderten Gas heraus gefiltertes Wasser (sogenanntes Lagerstättenwasser). Dieses Wasser, das das giftige Schwermetall Quecksilber und aromatische Kohlenwasserstoffe wie zum Beispiel das krebserregende Benzol enthielt, gelangte durch die undichten Rohrleitungen in Erdreich und Grundwasser.

Nach Angaben des LBEG handelt es sich um Quecksilber sowie die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX). Der Toxikologe Prof. Hermann Kruse von der Universität Kiel äußert sich gegenüber "Markt" äußerst besorgt. Diese Stoffe seien gesundheitsgefährdend.

Bodenaustausch ist bereits abgeschlossen

Auf Nachfrage von "Markt" bestätigte der Konzern ExxonMobil den Schaden im Erdgasfeld Söhlingen. 2.500 Kubikmeter verunreinigter Boden seien entsorgt und durch sauberen Boden ersetzt worden. Weiter gibt ExxonMobil zu: "Neben dem verunreinigten Boden musste im Umfeld der Schadstellen auch eine Reinigung des Grundwassers von ausgetretenem Lagerstättenwasser erfolgen."

Grüne kritisieren Intransparenz

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert den intransparenten Umgang des Konzerns ExxonMobil und der zuständigen Aufsichtsbehörden mit dem Störfall. Das noch von 1940 stammende Bergrecht ermögliche Konzernen wie ExxonMobil, ihrer Arbeit weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit nachzugehen.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dapd vermuten die Grünen zudem einen Zusammenhang mit Fracing-Versuchen in den 90er Jahren. Dabei werden die Gesteinsschichten durch die Einleitung eines Gemisches von Wasser und Chemikalien unter hohem Druck aufgebrochen. dabei könnten Chemikalien im Untergrund verblieben sein. Ein Sprecher des LBEG widersprach dem jedoch.