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Rein regenerativ

Biogasanlage bekommt eigenen Energiepark

Statt einer konventionellen Biogasanlage will die juwi Bio GmbH in Göllheim einen kompletten Energiepark bauen. Auf einem 3,85 Hektar großen Gelände werden neben der Biogaserzeugung aus Substratpflanzen auch Sonnenstrom und Windkraft genutzt. Der Wörrstädter Projektentwickler für erneuerbare Energien will damit ein Vorzeigeprojekt schaffen.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Göllheim/Wörrstadt (red) - Herzstück bleibt auch beim neuen "Energiepark Göllheim" eine Biogasanlage. In ihren Fermentern werden in der Umgebung angebauter Mais, Zuckerrüben und Hirse aber auch Grasschnitt zu Biogas vergoren. Das wiederum wird nicht wie sonst üblich in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt, sondern von seinem CO2-Anteil befreit und als reines Methan in das lokale Erdgasnetz eingespeist.

Gesamter Energiebedarf soll regenerativ gedeckt werden

Dafür wird eine neue Technik verwendet: "Wir trennen Methan und CO2 mit einem Membran-Cryogen-Verfahren", erklärt Projektmanager Aleksey Atanasov. "So erhalten wir beide Gase in höchster Reinheit". Das abgetrennte CO2 kann als Rohstoff für die Herstellung von Trockeneis verwertet werden. Eine Produktionsanlage inklusive Lager ist Teil der neuen Planungen. "Wir werden unseren gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen decken", sagt juwi Bio-Geschäftsführer Gerd Kück. Mit Photovoltaik auf den Gebäudedächern, einem kleinen Blockheizkraftwerk mit ORC-Modul, das auch die 650 Grad heißen Abgase nutzt, sowie einem eigenen Windrad mit drei Megawatt Leistung.

Der Energiepark Göllheim soll auch in Sachen Effizienz Maßstäbe setzen. Dafür sorgt ein ausgeklügeltes elektronisches Schaltsystem, das die je nach Sonnenschein und Windstärke anfallende Energie zur Deckung des Eigenstrombedarfs nutzt oder als EEG-Strom in das Netz einspeist.

Speicherung der Bio-Energie in Form von Methan

Das schwierige Thema der Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen will man durch die "Power-to-Gas"-Methode angehen, mit deren Marktreife man in naher Zukunft rechnet. Bei ihr wird ganz normales Leitungswasser (H2O) mit Hilfe von Wind- oder Solarstrom in seine Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) zerlegt. Der Sauerstoff wird – quasi als Luftverbesserer – freigesetzt. Der Wasserstoff wird mit dem bei der Aufbereitung des Biogases anfallenden CO2 zusammengeführt und in synthetisches Methan (CH4) umgewandelt. Auch bei diesem Prozess wird lediglich Sauerstoff in die Luft abgegeben. Das aus Wind oder Sonnenstrom erzeugte Methan kann in das Erdgasnetz eingespeist werden.

Energiepark soll auch Vorteile für Landwirte bringen

Neben mehreren Arbeitsplätzen durch den Energiepark selbst wird das örtliche Handwerk durch den Bau der Anlage gestärkt. 90 Prozent der ab Produktionsbeginn zu zahlenden Gewerbesteuer werden in der Verbandsgemeinde Göllheim bleiben. Und nicht zuletzt profitiert die Landwirtschaft in der Region, indem durch den Anbau von Energiepflanzen und deren garantierte Abnahme eine wichtige Einnahmequelle für viele Betriebe entsteht.

Auf elektrische Leistung umgerechnet wird die Biogasanlage rund zwei Megawatt Leistung bereitstellen. Hinzu kommen noch einmal drei Megawatt Windstrom, von denen nach Inbetriebnahme der Power-to-Gas-Technik ein Großteil in Methan umgewandelt und somit gespeichert werden kann. Im Herbst soll mit dem Bau der Anlage begonnen werden, Ende 2013 soll der Energiepark fertig sein.