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Infokampagne

Bürger sollen über E10 aufgeklärt werden - aber von wem?

Verbraucher sind verunsichert, ob ihr Auto E10 verträgt und tanken lieber teurer, als einen Motorschaden zu riskieren. Auf dem so genannten Benzin-Gipfel wurde jetzt beschlossen, an E10 festzuhalten. Allerdings sollen die Verbraucher besser informiert werden. Wer dies allerdings tun soll, darüber wird gestritten.

Gaspreise© photoGrapHie / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Verunsicherung herrscht in der Bevölkerung, wenn es um den neuen Biosprit geht. "Weder die Politik noch die Ölkonzerne haben gesagt, ob man E10 tanken soll", sagt beispielsweise der 71-jährige Rentner Jörns Pachart. Man wisse vor allem nicht, was mit dem Motor passiere, betont er. Laut ADAC und Umweltministerium können mehr als 90 Prozent aller benzinbetriebenen Autos E10 tanken. Bei den restlichen etwa drei Millionen ist Vorsicht geboten. Einer Umfrage des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) zufolge lehnen auch deshalb 57 Prozent der Autofahrer E10 ab.

Regierung will an Biosprit festhalten

Trotzdem wollen alle Beteiligten an der Einführung des neuen Superbenzins mit bis zu zehn Prozent Bioethanol-Beimischung festhalten. Auf einem Benzin-Gipfel hatten sich am Dienstag Vertreter der Bundesregierung mit Wirtschaft und Verbänden darauf geeinigt, die Akzeptanz des Biosprits bei Autofahrern mit einer breit angelegten Informationskampagne zu erhöhen.

Mehrere Ölkonzerne, wie beispielsweise die französische Total, sehen die Politik in der Pflicht. Die Mitgliedsländer müssten laut einer EU-Richtlinie die Verbraucher über die Einführung des neuen Kraftstoffes informieren, sagte Total-Sprecher Michael Fuchs. Zudem habe der französische Konzern bereits erste Schritte unternommen, um die Verbraucher aufzuklären. So lägen etwa an den rund 1.000 Total-Tankstellen bundesweit E10-Verträglichkeitslisten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) vor. Darüber hinaus seien die Tankstellenbetreiber gesetzlich verpflichtet, die Verbraucher an der Zapfsäule auf eine mögliche Unverträglichkeit hinzuweisen.

Über Zuständigkeiten ist man sich uneinig

Eine Informationspflicht oder gar eine Beratungsleistung seitens der Tankstellenpächter hält Fuchs allerdings für nicht zulässig. Diese Pflicht liege eindeutig bei den Autoherstellern, sagte er. Diese Ansicht teilt auch Tankwart Martin Hoffmann an einer Westfehling-Zapfstelle. "Wenn ich den Kunden eine falsche Information gebe, muss ich dafür haften", sagt er. Deshalb dürfe er den Autofahrern nur die Liste überreichen und keine weiteren Angaben dazu machen.

Die Listen sollen nach MWV-Angaben an allen deutschen Tankstellen kurzfristig ausgelegt werden. Bisher hatten manche Tankstellenbetreiber die Sorge, schon das Auslegen würde sie mitverantwortlich machen, falls ein Autofahrer den falschen Sprit tankt und dann liegen bleibt.

Informationspflicht nicht abschieben

Hoffmann zeigte sich zudem verärgert über den bisherigen Verlauf der E10-Einführung. Es sei nicht gerade eine ausgereifte Lösung, dass man die Informationsaufgabe auf die "kleinen Leute" wie die Tankwarte abschiebe, sagte er. Viele Kunden wüssten nach wie vor nicht einmal, was E10 bedeute, beteuert er. Seiner Ansicht nach hätten die Autofahrer früher informiert werden müssen.