Startseite
Umweltschäden befürchtet

Bürger wollen Gasbohrungen im Münsterland verhindern

Vor allem in NRW soll in Zukunft Erdgas aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten gefördert werden. Die großen Konzerne haben dazu das Land schon zu Erkundungszwecken aufgeteilt. Bürger und Umweltschützer befürchten eine Verunreinigung des Grundwassers bei den Bohrungen.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Borken (dapd-nrw/red) - Nach Angaben der Bezirksregierung Arnsberg haben Energiekonzerne wie Exxon Mobil, Wintershall und BEB im gesamten Nordwesten Nordrhein-Westfalens, von Aachen bis zum Kreis Höxter, ihre Claims für die Suche nach Erdgas abgesteckt. Allein ExxonMobil habe die Berechtigung zur "Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen" auf einer Fläche von mehr als 9.000 Quadratkilometern eingeholt.

Umweltschäden durch Chemikalien befürchtet

Jürgen Kruse von der Borkener Interessengemeinschaft "Gegen Gasbohren" befürchtet Umweltschäden, sollten geplante Probebohrungen fündig werden und die Erdgasförderung beginnen. Denn dabei könnte das sogenannte Fracing oder Fracking-Verfahren zum Einsatz kommen, bei dem mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst wird, wodurch das Gestein aufbricht und das Gas freigesetzt wird. Kruse hält eine Verunreinigung des Grundwassers für möglich.

Verunreinigung unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen

Experten von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe versuchen, die Ängste von Anwohnern und Landwirten zu zerstreuen. Da das Grundwasser in wenigen Hundert Metern Tiefe vorkomme, sei es unwahrscheinlich, dass es zu Verunreinigungen durch Bohrungen in die sehr viel tiefer liegenden Lagerstätten komme. Dies ist die Einschätzung von Hans Georg Babies von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), der jedoch auch einräumt, man könne eine Verunreinigung nie ausschließen.

Quecksilber im Grundwasser

Für Aufsehen sorgte letzte Woche die Meldung, dass 2007 in Niedersachsen unter anderem mit Quecksilber belastetes Lagerstättenwasser aus einer undichten Rohrleitung der Firma Exxon Mobil ins Erdreich gelangt war und den Boden verseucht hatte. Die Verunreinigung ging aber nach Behördenangaben nicht auf Fracs zurück. Die Chemikalien kämen auch ganz natürlich in tiefen Gesteinsschichten vor.

Unterschriftensammlung gegen Bohrungen

Jürgen Kruse rechnet damit, dass das Unternehmen im Februar die Probebohrung beantragen wird. Dass es bei der Exploration bleibt, hält er für unwahrscheinlich. "Wir sehen das als Vorbereitung für weitere Maßnahmen", sagt der 39-Jährige. Deshalb sammelt er schon jetzt Unterschriften gegen das Vorhaben. Außerdem will er gemeinsam mit den Interessengemeinschaften aus Drensteinfurt und Nordwalde beraten, wie Erdgasbohrungen im Münsterland verhindert werden können. Ihm schwebt vor, alle Bundestagsabgeordneten aus der Region anzuschreiben und um Hilfe zu bitten.