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Energiesicherheit

Bund prüft nationale Erdgasreserve

Die Bundesregierung lässt den Nutzen einer nationalen Erdgasreserve prüfen, wie die Antwort auf eine Anfrage der Grünen zeigt. Zwar soll es keine Hinweise auf mögliche Lieferstopps geben, dennoch soll das Gutachten Klarheit bringen. Ein großer Teil des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt aus Russland.

Gasometer© Werner Dreblow / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Die Bundesregierung will den möglichen Nutzen einer nationalen Erdgasreserve für Krisenzeiten von Experten untersuchen lassen. Derzeit werde eine Studie zu dem Thema vergeben, teilte das Bundeswirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag mit, die der Nachrichtenagentur AFP in Berlin am Mittwoch vorlag. Das Ergebnis solle im Frühjahr 2015 vorliegen und "als politische Entscheidungsgrundlage für eine mögliche Speicherregelung dienen", hieß es darin.

Großer Teil an Erdgas stammt aus Russland

Hintergrund der Grünen-Anfrage von Ende Oktober ist der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der aufgrund der Bedeutung der beiden Länder für die Versorgung der EU mit Erdgas die Sorge vor Lieferengpässen nährt. Rund 38 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt nach Branchenangaben aus Russland. Die Ukraine fungiert als wichtiges Transitland für Pipelines, die den Energieträger aus Russland in Richtung Westen leiten.

Untersuchung auch auf europäischer Ebene

Die Studie trägt der Antwort des Wirtschaftsministeriums zufolge den Titel "Möglichkeiten zur Verbesserung der Gasversorgungssicherheit und der Krisenvorsorge durch Regelungen der Speicher (strategische Reserve, Speicherverpflichtungen), einschließlich der Kosten sowie der wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Markt". Sie soll demnach auch Überlegungen und Vorgaben zur Verbesserung der Erdgasversorgungssicherheit auf europäischer Ebene berücksichtigen. Die EU-Kommission hatte angesichts der Eskalation im Ukraine-Konflikt kürzlich in einer Übung den Komplettausfall russischer Erdgaslieferungen simuliert und den Mitgliedstaaten im Oktober einige Verbesserungsvorschläge unterbreitet.

Reserven für Öl

Eine nationale Krisenreserve gibt es bislang nur für Erdöl und wichtige Erdölprodukte wie Benzin oder Kerosin für Flugzeuge. Entsprechende Regelungen wurden erstmals 1966 erlassen. Die vom Bund heute eingelagerten Mengen reichen den gesetzlichen Vorgaben zufolge für 90 Tage, also eine Vollversorgung des Landes für drei Monate. Die Kosten werden auf die ölimportierenden Firmen umgelegt.

Bisher nur kurze Engpässe kompensierbar

Für Erdgas gibt es bisher kein vergleichbares System mit gesetzlich fixierten Speichermengen. Allerdings verfügen die hiesigen Gasimporteure und -verarbeiter nach Angaben der Regierung über eigene Speicher. Darin lagern derzeit Reserven, die theoretisch eine Versorgung für etwa drei Monate sicherstellen würden und somit kurzfristige Lieferengpässe kompensieren könnten. Für den Fall von ernsthaften Versorgungskrisen gibt es zudem vorbereitete Notfallverordnungen, mit denen die Bundesregierung die Kontrolle über die Gasversorgung übernehmen könnte.

In seiner Antwort betonte das Wirtschaftsministerium erneut, es gebe derzeit keine Hinweise auf einen bevorstehenden direkten oder indirekten Ausfall der russischen Gaslieferungen. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass der russische Gasriese Gazprom seine vertraglichen Pflichten erfülle. Auch die Ukraine habe zugesagt, ihre Durchleitungspflichten zu erfüllen.

Quelle: AFP