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Kohleverbrauch

China gab zu niedrigen CO2-Ausstoß an

China produziert deutlich mehr CO2 als bisher gedacht. Der Bericht der "New York Times" über den tatsächlichen Ausstoß löste Alarmstimmung aus. Experten hatten aber bereits seit Anfang des Jahres Kenntnis über die wahren Zahlen. Und anhand dieser Zahlen wurden auch die Berechnungen für die Klimaschutzzusagen gemacht.

Kohle© Anzelm / Fotolia.com

Peking (dpa/red) - China verbraucht dramatisch mehr Kohle als früher angenommen. Die Nachricht gut drei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Paris schreckte viele Menschen auf - vor allem weil sie so prominent auf der Titelseite der "New York Times" stand. Aber die zitierten offiziellen Zahlen sind keineswegs neu, sondern liegen Experten schon seit dem Frühjahr vor. Die Daten dienten China als Grundlage für seine Zusagen im Kampf gegen den Klimawandel. Sie ändern auch nichts an der Berechnung, dass die bisher vorliegenden Klimaschutzzusagen von rund 150 Ländern die Erderwärmung auf etwa 2,7 Grad begrenzen dürften, wie der Forschungsverbund Climate Action Tracker am Donnerstag klarstellte.

Energieagentur hatte höheren CO2-Ausstoß bereits angenommen

Die "New York Times" hatte am Mittwoch von einem bis zu 17 Prozent höheren Kohleverbrauch für 2013 geschrieben. Die Amerikanische Energie Informationsagentur (EIA) hatte jedoch schon im September einen bis zu 14 Prozent höheren Kohlenverbrauch von 2000 auf 2013 für China angenommen. Letzterer ist laut Greenpeace größer als der Kohlekonsum von Deutschland, Polen, Großbritannien, Tschechien, Italien und Frankreich zusammen.

"Der Kohleverbrauch überstieg unsere Vorstellungen", räumte Lin Boqiang, Energieexperte der Universität Xiamen, ein. "Es war ein Schock." Statt sich aber auf die in China chronisch geschönten Berichte unterer Behörden zu verlassen, seien neue statistische Erhebungen über die Wirtschaftstätigkeit gemacht worden, die "zuverlässigere Daten" geliefert hätten, erläuterte Lin Boqiang. "Die neuen Verbrauchszahlen bringen Chinas Daten näher an die Zahlen der Internationalen Energieagentur", fand auch der Climate Action Tracker, der von einer Gruppe aus vier Klimainstituten getragen wird.

Zahlen waren bereits zu Beginn des Jahres bekannt

Zwar macht der "New York Times"-Artikel jetzt viel Wirbel, aber die Zahlen wurden in China schon im Februar und März erstmals unter Experten verbreitet. Die Konsequenzen sind klar: China wird größere Anstrengungen unternehmen müssen als zuvor gedacht, um seine eingegangenen Verpflichtungen im Klimaschutz zu erfüllen. Vor allem der angestrebte Anteil erneuerbarer Energien - wozu China Atomkraft zählt - am Verbrauchsmix mit 15 Prozent bis 2020 und 20 Prozent bis 2030 "wird schwerer zu erreichen sein", sagte Experte Lin Boqiang.

Kohle ist die Hauptenergiequelle für China

Kohle bleibt mit heute 67 Prozent am Energieverbrauch in China auch in Zukunft der Hauptenergieträger, auch wenn der Anteil bis 2020 auf 62 Prozent fallen soll. Die neuen Zahlen erhöhen den Druck. "Der Spielraum für den künftigen Anstieg des Kohleverbrauchs ist damit sehr begrenzt", sagte Klimaexpertin Li Yan von Greenpeace in Peking. Da der Energieverbrauch in China mit dem Wirtschaftswachstum weiter steigen werde, müssten nicht-fossile Energien die Nachfrage stärker als bisher geplant abdecken.

Expertin: Schlupflöcher sind ein gigantisches Problem

Schlupflöcher und Lücken in den Kohlestatistiken seien in China ein "gigantisches Problem", das allen Forschern und Politikern bewusst sei, berichtete Li Yan. Die neuen Daten müssten auch noch weiter verbessert werden. "Aber sie sind gute Nachrichten, weil sie zeigen, dass China transparentere Bemühungen unternimmt, um seinen Kohleverbrauch zu kontrollieren, und bereit ist, ein durchschaubares verlässliches System für die Kohlepolitik im neuen Fünf-Jahres-Plan zu schaffen."

Langsameres Wirtschaftswachstum – weniger Umweltverschmutzung

Unverhofft kommt das langsamere Wirtschaftswachstum den Bemühungen zum Klimaschutz zugute. Im vergangenen Jahr verbrannte China 2,9 Prozent weniger Kohle. Ein neuer Trend, der sich in diesem Jahr beschleunigte, so dass Umweltschützer schon von einer "Kohlewende" sprechen. Dazu haben unter anderem modernere Anlagen und der Kampf gegen die Luftverschmutzung beigetragen. Der unerträgliche Smog in Großstädten und Industrieregionen und der wachsende Unmut der Menschen haben Chinas Politiker mancherorts zu radikalen Maßnahmen greifen lassen. Eine Drosselung der Kohleverbrennung verspricht am schnellsten Linderung.

Co2-Ausstoß wird noch einmal steigen

Nach zwei Jahrzehnten blinden Wachstums der heute zweitgrößten Volkswirtschaft strebt auch der neue Fünf-Jahres-Plan, der ab nächstem Jahr gilt, ein qualitativ besseres und nachhaltigeres Wachstum an. Aber egal wie, Chinas CO2-Ausstoß wird vorerst weiter steigen. Der entdeckte viel höhere Kohleverbrauch wird voraussichtlich dafür sorgen, dass der chinesische und damit auch der weltweite Höchststand ("Peak") der Emissionen möglicherweise früher erreicht wird - allerdings auch auf einem höheren Niveau als bisher gedacht.

Quelle: DPA