Startseite
Sehr gute Ökobilanz

Das Blockheizkraftwerk des Jahres steht in Holstein

Das Kraft-Wärme-Kopplungs-Konzept der Kläranlage Hetlingen, dem größten Klärwerk des Bundeslandes Schleswig-Holstein, ist vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung zum Blockheizkraftwerk des Jahres 2012 gewählt worden. Den Ausschlag habe die ökologische Bilanz gegeben.

BlockheizkraftwerkBlick auf ein Blockheizkraftwerk in Berlin© Tom Hanisch / Fotolia.com

Berlin (red) - Die Jury überzeugte nach eigenen Angaben vor allem die Konstellation zur Verstromung der Faulgase aus der Kläranlege, das durchdachte Konzept zur Wärmenutzung und die ökologische Bilanz der Anlage. Die vier in Hetlingen eingesetzten BHKW-Module der Bosch-KWK-Systeme GmbH Lollar erreichen einen elektrischen Wirkungsgrad von 41 und einen Gesamtnutzungsgrad von fast 84 Prozent.

Die Süddeutsche Abwasserreinigungs-Ingenieur GmbH aus Ulm hat für diese Anlage ein anspruchsvolles Wärmenutzungskonzept erstellt. So wird bei zwei der vier BHKW-Module, die mit einer Leistung von je 570 kW aus dem Motorenabgas ausgekoppelte Wärme auf einen Thermoölkreislauf übertragen, der der Luftvorwärmung für die Klärschlammtrocknung dient und damit den dort nötigen Brennstoffeinsatz reduziert. Ein zusätzlicher Wärmetauscher ermöglicht die Wärmeübertragung auf Heißwasserkreisläufe, die zur Beheizung der Faultürme, anderer Anlagenteile und der Betriebsgebäude dienen.

Energieertrag und Eigennutzungsanteil besonders hoch

In der Kläranlage Hetlingen werden jährlich mehr als 30 Millionen Kubikmeter Abwässer von mehr als 480.000 Menschen sowie von Industrie und Gewerbe gereinigt. Der Stromverbrauch der Kläranlage beträgt rund 23 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Als Brennstoff für das BHKW wird Faulgas eingesetzt, das bei der anaeroben Vergärung von Klärschlamm entsteht. Zusätzlich würden jährlich rund 7.000 Tonnen Fette aus der eigenen Abwasserreinigung, Fettabscheiderinhalte und Speisereste in die Faulbehälter eingespeist. Durch diese Co-Vergärung würden die Gasausbeute und damit der Energieertrag so erhöht, dass nun sehr leistungsstarke Motoren betrieben werden könnten.

Zum wirtschaftlichen Erfolg trage neben der effizienten Wärmebereitstellung die fast vollständige Eigennutzung des erzeugten Stroms bei. Mit der neuen KWK-Anlage würden inzwischen rund 70 Prozent des elektrischen Bedarfs der Kläranlage gedeckt. Die KWK-Anlage entlaste nicht nur die ökonomische Gesamtrechnung des Klärwerks, sondern auch gleich doppelt die ökologische Bilanz. Bei der vollständigen Verbrennung des in der Kläranlage entstehenden Faulgases wird dessen Hauptbestandteil Methan (CH4) umgewandelt in CO2. Dadurch wird der Ausstoß der Treibhausgase deutlich reduziert, weil Methan ein klimarelevantes CO2-Äquvivalent von 25 besitzt. Durch die Nutzung des Faulgases aus der Kläranlage in Kraft-Wärme-Kopplung wird zusätzlich fossiler Brennstoff effizient subsituiert, was die CO2-Bilanz des Klärwerks nochmals verbessert.