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Hahn abgedreht

Delmenhorst: 350 Mieter wieder ohne Wasser und Gas

In Delmenhorst hat sich die Situation für rund 350 Mieter zweier Wohnblocks wieder zugespitzt. In den Hochhäusern ist derzeit kein Gas und seit Montag auch kein Wasser mehr verfügbar. Die Stadtwerke stoppten die Zufuhr, weil die Eigentümer der Immobilien mehrere Rechnungen nicht bezahlt haben.

WasserverbrauchIn Delmenhorst werden betroffene Mieter über ein Standrohr und sechs Wasserhähnen mit Trinkwasser versorgt.© PhotoSG / Fotolia.com

Delmenhorst - Rund 350 Mieter von zwei Wohnblocks im niedersächsischen Delmenhorst sind seit Montag ohne fließendes Wasser in ihren Wohnungen. Die Stadtwerke sperrten die Zufuhr, da die Eigentümer ihnen rund 200.000 Euro Rechnungen für Wasser und Gas schuldig sind, wie Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler mitteilte. Für eine Notversorgung mit Trinkwasser wurde auf der Straße vor den heruntergekommenen Hochhäusern ein Standrohr mit sechs Wasserhähnen errichtet. Nach Angaben der Diakonie gibt es zudem mobile Toiletten.

Kein Gas seit Ende April

Mit der Wassersperre hat sich die Lage der Bewohner verschärft, denn wegen der Schulden der Eigentümer sind die Menschen in den beiden Häusern schon seit dem 27. April ohne Gas. "Mir ist bewusst, dass die Lage für die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Häuser Am Wollepark 11 und 12 schwierig ist. Die Situation insgesamt ist auch für die Stadt Delmenhorst alles andere als einfach", sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD). Einem Stadtsprecher zufolge ist Delmenhorst "grundsätzlich" bereit, die beiden von der Wasser- und Gassperre betroffenen Häuser zu kaufen. Dafür müssten aber möglichst alle Eigentümer einem Verkauf zum Verkehrswert zustimmen.

Diakonisches Werk bietet Unterstützung an

Der Pressesprecher des Diakonischen Werks in Oldenburg, Frerk Hinrichs, verwies darauf, dass Wohnungen ohne Heizung und Wasser unbewohnbar sind. "Kurzfristig bekommt man das hin, auf Dauer nicht", sagte er nach einem Besuch in Delmenhorst. Ihm zufolge sind viele Bewohner verärgert. "Sie fühlen sich bestraft, weil man ihnen Wasser und Gas abgedreht hat, obwohl sie ihre Miete bezahlt haben." Mitarbeiter des Diakonischen Werks stehen in Kontakt mit den betroffenen Bewohnern. "Wir versuchen, die Menschen in dieser Situation zu unterstützen und sie zu beraten."

Hinrichs zufolge haben sich bislang keine Mieter gemeldet, die in eine Notunterkunft ziehen wollen. Viele hätten Angst, ihr gesamtes Hab und Gut zu verlieren, berichtete er. Sie fürchteten aus, dass die Vermieter freie Wohnungen sofort räumen und neu vermieten. Familien mit kleinen Kindern könnten aus seiner Sicht aber nicht lange in Wohnungen ohne Wasser bleiben. Die Stadt ist vorbereitet, Menschen in andere Unterkünfte zu bringen. "Für Menschen mit einem besonderen Hilfebedarf ist die Stadtverwaltung da und wird eine entsprechende Räumlichkeit zur Verfügung stellen", sagte Sprecher Timo Frers.

Stadt Delmenhorst will das Viertel sanieren

Die betroffenen Häuser gehören zu einem rund 23 Hektar großen Gebiet mit vielen veralteten Gebäuden und teils verwahrlosten Wohnungen. In dem Quartier sind Menschen aus 38 Nationen zu Hause, oft leben sie auf engem Raum. Die Stadt will das Viertel sanieren und hat jüngst mit dem Abriss leerstehender Wohnblocks begonnen. Warum die Eigentümergesellschaft die offenen Rechnungen nicht beglichen hat, ist unklar. Anfragen auf eine Stellungnahme blieben unbeantwortet.

Quelle: DPA