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Nachgerechnet

Die vier größten Irrtümer bei der Sanierung von Häusern

Beim Stichwort "energetische Gebäudesanierung" denken die meisten an gut gedämmte Häuser mit geringen Energiekosten, an den Abschied von alten, zugigen Fenstern und an Wärme aus erneuerbaren Energien. Stimmt das? Denn manch einer fragt sich, ob das Haus nachher wirklich besser aussieht als vorher und ob sich der ganze Aufwand finanziell lohnt.

Thermographie© electriceye / Fotolia.com

Berlin (red) - Kommt mit der Dämmung vielleicht der Schimmel? Ist die Sanierung nicht viel zu teuer? Und sieht das Haus nach der Sanierung wirklich besser aus als vorher? Branchenvertreter und Experten, die sich in der "Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea)" zusammengeschlossen haben, kommentieren die aus ihrer Sicht größten Sanierungsirrtümer.

Irrtum 1: Energiesparende Sanierungen rechnen sich nicht

Dass eine schlechte Planung oder eine mangelhafte Umsetzung den Energiesparerfolg verhindern, sei die "absolute Ausnahme", sagt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) und Sprecher der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz. Die Regel sei: Der Energieverbrauch älterer und unsanierter Wohngebäude lasse sich durch gute Dämmung, neue Fenster und eine effiziente Heizungs- und Lüftungstechnik um mehr als drei Viertel senken, so Kohler. Er belegt dies mit einer Studie der dena, für die Dutzende realer Sanierungsgebäude daraufhin untersucht wurden, ob sich die Investitionen in energieeffiziente Technik gelohnt haben.

Für eine auch wirtschaftlich erfolgreiche Sanierung seien laut Kohler drei Punkte entscheidend: "Erstens: Die Sanierung dann durchführen, wenn ohnehin Instandhaltungs- oder Reparaturarbeiten anstehen. Das ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Zweitens: Ein qualifizierter, erfahrener Fachmann muss die Sanierung sorgsam planen und die Umsetzung begleiten. Und drittens: Nicht nur das Nötigste und Billigste machen, sondern den Fachmann berechnen lassen, welche Sanierung sich langfristig lohnt." Wer diese Regeln befolge, könne auch davon ausgehen, dass die angestrebten Energieeinsparungen wirklich eintreten.

Irrtum 2: Wärmedämmung führt zu Schimmelbildung

"Mit der Dämmung kommt der Schimmel? Dass ist ein Märchen", so Klaus Franz, Präsident des Gesamtverbands der Dämmstoffindustrie. Das Gegenteil sei der Fall: "Schimmel entsteht, wenn Wände an bestimmten Stellen besonders stark auskühlen. Dort schlägt sich die in der Raumluft enthaltene Feuchtigkeit nieder - und schafft gute Bedingungen für Schimmel. Eine fachmännisch ausgeführte Gebäudedämmung, die das Auskühlen der Wände verhindert, mindert daher die Gefahr der Schimmelbildung." Das belegten auch Studien: So stellte das Aachener Institut für Bauschadensforschung in einer Untersuchung fest, dass energieeffiziente Gebäude weniger zu Schimmel neigen als unsanierte. Trete doch Schimmel auf, dann wegen mangelhafter Ausführung der Bauarbeiten oder weil die Bewohner zu wenig lüfteten. Zudem sollten in Neubauten und energieeffizient sanierten Häusern auch Lüftungsanlagen eingebaut werden. Sie sorgen dafür, dass verbrauchte Luft und Feuchtigkeit nach draußen transportiert werden und frische Luft einströmt. Verfügen sie über eine so genannte "Wärmerückgewinnung", sparen sie außerdem Heizenergie.

Irrtum 3: Die Gebäudesanierung geht zu Lasten der Optik

Verschwinden schöne Fachwerk- und Stuckfassaden künftig hinter dicken Dämmplatten? "Auf keinen Fall", sagt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Die Verbindung von Energieeffizienz und individueller Architektur funktioniert. Eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude, die ohne eine Veränderung des Charakters zu Effizienzhäusern saniert worden sind, beweist das." Die Befürchtungen von Architekten und Denkmalschützern seien vielfach unbegründet, denn niemand wolle die Vielfalt der Architektur in Deutschland abschaffen. Für Baudenkmäler oder schöne alte Häuser gebe es spezielle Sanierungslösungen. Einige Beispiele für behutsam sanierte Altbauten hat die dena online unter zukunft-haus.info/effizienzhaus dokumentiert. Die KfW bietet indes ein eigenes Förderprogramm für die Sanierung von Baudenkmälern an.

Irrtum 4: Sanierte Häuser sind für Mieter kaum bezahlbar

Die energetische Sanierung von Mehrfamilienhäusern müsste sich eigentlich auch für Mieter bezahlt machen. Das ist das Ergebnis einer Studie der dena. Demnach kann der Energiebedarf bei Gebäuden, die ohnehin saniert werden müssen, ohne Mehrbelastungen für Mieter um bis zu 75 Prozent gesenkt werden. Durch die Umlage eines Teils der Sanierungskosten steigt zwar die Kaltmiete. Doch die drastisch sinkenden Energiekosten gleichen dies aus. Selbst eine noch teurere Sanierung mit einer Energieeinsparung von 80 Prozent müsste nur eine geringe Mieterhöhung nach sich ziehen. In ihrer Studie hat die dena reale energetisch sanierte Mehrfamilienhäuser untersucht und die Mehrkosten berechnet, die durch die Zusatzinvestition in sehr gute Energieeffizienz entstehen. Und nur diese Mehrkosten seien interessant, denn: Die Kosten für die laufende Instandhaltung - beispielsweise den Austausch einer kaputten alten Heizung gegen eine neue Standardheizung - müsse der Eigentümer ohnehin aus der laufenden Miete finanzieren und darf sie nicht umlegen. Laut dena-Chef Kohler seien es vielmehr die "Schönheitssanierungen", die mitunter die Preise nach oben trieben.