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Überschuss

E.on-Manager klagt über Gasschwemme

Trotz der jüngsten russischen Lieferengpässe sieht Deutschlands größter Energieversorger E.on keine Engpässe bei der Gasversorgung. "Wir haben ganz sicher kein Mengenproblem", sagte der Vertriebschef von E.on in Deutschland, Stefan Vogg. Die Gasspeicher seien gut gefüllt. Trotzdem musste am Mittwoch eine Reserve ans Netz gehen.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Essen/Stuttgart/Mannheim (dapd/red) - Neue Fördertechniken und die zunehmende Verfügbarkeit von Flüssiggas (LNG) sorgten für eine Überversorgung des europäischen Marktes und bereiteten dem Unternehmen wegen des damit verbundenen Preisverfalls an den Strombörsen weiterhin Probleme im Gashandel, sagte Vogg.

Der Hintergrund: E.on bezieht einen Großteil seines Gases aufgrund langfristiger Lieferverträge, die an den Ölpreis gekoppelt sind. Die Einkaufspreise des Konzerns liegen deshalb aktuell spürbar über dem Preisniveau der europäischen Energiebörsen.

Neuregelung der Lieferverträge ist nötig

Der Konzern verhandelt bereits seit einiger Zeit mit den großen Gaslieferländern über eine Nachbesserung der Verträge. Allerdings mit begrenztem Erfolg. Der russische Staatskonzern Gazprom etwa sperrt sich bislang entschieden gegen Preissenkungen. Doch sieht E.on keine Alternative zu einer Neuregelung. Denn die Gasschwemme werde "mit Sicherheit noch einige Zeit andauern", sagte Vogg.

Eine Absage erteilte Vogg vorläufig dem Neubau von Gaskraftwerken in Deutschland. Dies rechne sich bei den aktuellen Preisen für Gas- und CO2-Zertifikate auf der einen Seite und den niedrigen Strompreisen und sinkenden Benutzungsstunden derzeit nicht, sagte der Manager. Außerdem gebe es zurzeit noch ausreichend konventionelle Kraftwerkskapazitäten.

Kaltreserve muss antreten

Wegen der anhaltenden Kältewelle und ausbleibender Gaslieferungen aus Russland ist am Mittwoch erstmals der Reserveblock 3 des Großkraftwerks Mannheim (GKM) ans Netz gegangen. Damit bleibe sichergestellt, dass der Strombedarf im Land gesichert sei und bei einem unerwarteten Ausfall eines Kraftwerks kein Engpass entstehe, sagte Baden-Württembergs Energieminister Franz Untersteller (Grüne). Neben GKM 3 hätten die Netzbetreiber auch die Leistung zweier Kraftwerke aus Österreich angefordert.