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Drohung

E.on will offenbar Geld vom Staat für Gas-Notreserve

Trotz drohender Engpässe in der Stromversorgung will der Energiekonzern Eon einem Bericht zufolge drei große Gaskraftwerke in Süddeutschland schließen. Einem Medienbericht zufolge will der Konzern so erreichen, dass Geld von staatlicher Seite dafür fließt, dass man die Kraftwerke als Notfallreserve bereithält.

Gas-Preisvergleich© by-studio / Fotolia.com

Hamburg/Bonn (AFP/red) - E.on wolle im kommenden Jahr Gaskraftwerke mit mehr als tausend Megawatt Leistung vom Netz nehmen, was fast der Leistung eines großen Kernkraftwerks entspräche, berichtete die "Financial Times Deutschland" am Montag. Das bayerische Wirtschaftsministerium sei alarmiert und habe drohende Schließungen bestätigt. Ein Sprecher von Eon sagte auf Anfrage, es gebe "keine Beschlüsse zu irgendwelchen Stilllegungen".

Anlagen seien unwirtschaftlich

Laut "FTD" informierte E.on bereits die Bundesnetzagentur über die geplanten Schließungen mit der Begründung, die Anlagen seien unwirtschaftlich. Unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen berichtete die Zeitung, E.on wolle Geld dafür haben, dass es die Generatoren als Notreserve für Energieengpässe bereitstelle. Demnächst wolle der Konzern mit der Netzagentur über mögliche Zahlungen verhandeln.

Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur bestätigte, dass E.on um ein Gespräch gebeten habe. Zu möglichen Wünschen von E.on könne sie keine Angaben machen, die Bundesnetzagentur halte aber eine - sich bereits abzeichnende - weitere Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten "für nicht vertretbar". Die Bundesnetzagentur sehe "die Situation sehr kritisch" und empfehle gesetzgeberische Maßnahmen, um Kraftwerksstilllegungen zu unterbinden.

Angespannte Lage im Stromnetz

Dem Bericht zufolge will E.on 2013 die Blöcke Irsching 3 in Bayern und Staudinger 4 in Hessen mit einer Kapazität von zusammen 1037 Megawatt abschalten. Im Jahr 2014 solle dann Franken 1 in Nürnberg mit einer Leistung von 383 Megawatt folgen.

Die Bundesnetzagentur hatte Anfang Mai vor einer erneut angespannten Lage im deutschen Stromnetz im nächsten Winter gewarnt. Nach der Abschaltung einer Reihe von Kernkraftwerken und wegen des schleppenden Ausbaus der Stromautobahnen sei "mit einer ähnlichen Situation" wie im vergangenen Winter zu rechnen, erklärte Netzagentur-Chef Jochen Homann. "Möglicherweise müssen wir mehr Reservekraftwerke unter Vertrag nehmen", sagte die Sprecherin am Montag. Wegen der Kältewelle im Februar war es in Süddeutschland zu Engpässen in der Strom- und Gasversorgung gekommen, weshalb Reservekraftwerke angefahren wurden.

Quelle: AFP