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Rückkauf

EnBW prüft größeres Engagement im Gasgeschäft

Vom Atom- zum Gaskonzern? Die EnBW prüft, verstärkt im Gasgeschäft mitzumischen. Der Versorger sondiert einem Bericht zufolge ein Geschäft mit dem italienischen Konzern Eni. Wo angesichts des strengen Sparkurses das Geld für einen möglichen Rückkauf von Anteilen herkommen soll, scheint allerdings noch unklar.

EnBW© EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Stuttgart/Karlsruhe (dpa/red) - Der drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW erwägt, sein Gasgeschäft zu stärken. Die Karlsruher planen, die 50-Prozent-Beteiligung des italienischen Erdöl- und Energiekonzerns Eni an der Gasversorgung Süddeutschland (GVS) und der Schwestergesellschaft Terranets BW zu übernehmen. Ein entsprechender Bericht der "Stuttgarter Zeitung" wurde am Mittwoch in Regierungskreisen in Stuttgart bestätigt.

Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) hält die anderen 50 Prozent und besitzt dem Bericht zufolge wohl ein Vorkaufsrecht. Der Konzern prüft demnach, ob er mit Hilfe seiner Großaktionäre, dem Land und dem Landkreisverbund OEW das Geschäft mit einem Volumen in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe stemmen kann. Ein EnBW-Sprecher erklärte lediglich, Marktgerüchte und Spekulationen würden nicht kommentiert.

Beteiligungen sind weiter auf dem Prüfstand

Die GVS kauft und handelt mit Gas und zählt nach eigenen Angaben zu den großen Anbietern in Deutschland. Sie ist führend im Südwesten. Der Vorstoß der EnBW kommt in Zeiten, in denen der Konzern einen scharfen Sparkurs fährt. Vorstandschef Frank Mastiaux hatte erklärt, alle Beteiligungen stünden auf dem Prüfstand. Der Sprecher bekräftigte die Aussage am Mittwoch.

Dem Bericht zufolge soll Mastiaux zunächst erwogen haben, die Beteiligungen an der GVS oder an Terranets zu verkaufen. Dagegen hätten sich aber die Hauptaktionäre gewandt. Das fast 2000 Kilometer lange Fernleitungsnetz sei wichtig für die Infrastruktur des Landes. Der Rückkauf würde dem Bericht zufolge auch zur Strategie von Mastiaux passen, das Gasgeschäft der EnBW auszubauen.

Ab 2002 waren Anteile verkauft worden

Eni wollte nach Angaben der Zeitung den Vorgang nicht kommentieren. Der italienische Konzern war 2002 bei der Gasversorgung Süddeutschland eingestiegen. Damals hatten das Land und kommunale Gesellschaften ihre Anteile verkauft. Später auch die Neckarwerke, die von der EnBW übernommen worden sind.

Mit einer möglichen Finanzierung des Rückkaufs von GVS und Terranets würden sich sowohl das Land als auch der Zweckverband OEW schwer tun. Beide müssten dazu wohl neue Schulden aufnehmen, wie sie dies schon bei der jüngsten EnBW-Kapitalerhöhung hatten. Die Hauptaktionäre leiden gleichfalls an sinkenden Dividendenzahlungen durch den Versorger. Dieser hat weiterhin Probleme infolge des Atomausstiegs.

Der EnBW-Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um 9,3 Prozent auf knapp 10,6 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss brach jedoch um 65 Prozent ein auf 190,5 Millionen Euro. Als Gründe hatte Mastiaux bei der Vorlage der Halbjahreszahlen unter anderem die gesunkenen Strompreise sowie höhere Aufwendungen im Bereich Kernenergie durch neue Gesetzesregelungen genannt.

Quelle: DPA