Startseite
Brückentechnologie

Energieagentur prophezeit "goldene Zeiten" für Gas

Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima sieht die Internationale Energieagentur (IEA) "goldene Zeiten" für Gas kommen. Die Agentur warnt jedoch auch vor einem weltweiten Temperaturanstieg. Auch speziell für den deutschen Energiemarkt spielt Gas eine wichtige Rolle als Brückentechnologie.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Paris/Hamburg (afp/dapd/red) - Vor allem die starke Entwicklung Chinas werde dazu führen, dass Gas künftig "eine wichtigere Rolle" bei der Energiegewinnung spiele, erklärte am Montag IEA-Chef Nobuo Tanaka. Während Gas heute 21 Prozent des weltweiten Energiebedarfs decke, könnte es in einem Vierteljahrhundert mehr als ein Viertel sein, schätzt die in Paris ansässige Agentur, die die Energieinteressen der Organisation für Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung (OECD) vertritt. China brauche derzeit soviel Gas wie Deutschland und werde bis 2035 soviel benötigen wie die gesamte Europäische Union.

Weltweiter Temperaturanstieg befürchtet

Gas sei wie Kohle und Erdöl ein fossiler Brennstoff, der auf Kohlenstoffverbindungen beruhe, erklärte die IEA. Zwar sei es der "sauberste" fossile Energieträger - trotzdem würden bei der Verbrennung beziehungsweise Energiegewinnung auch Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Es könne daher zu einem weltweiten Temperaturanstieg von 3,5 Grad Celsius führen, warnte die Energieagentur, nach deren Einschätzung die Atomkraft in mehreren Ländern nur noch eine "verminderte Rolle" spielen wird. Auch Deutschland setzt wegen des Atomausstiegs verstärkt auf Gas als Energiequelle.

Ausländische Versorger sehen Chance auf deutschem Gasmarkt

Dies wiederum macht Deutschland auch für ausländische Stromerzeuger interessant. So prüft der größte dänische Energieversorger Dong den Bau eines Gaskraftwerks, wie die "Financial Times Deutschland" berichtet. "Wir sehen, dass der Kernkraftausstieg neuen Bedarf erzeugt. Das behalten wir im Auge", sagte Dong-Chef Anders Eldrup.

Der dänische Versorger könnte zum Vorreiter werden. Die fehlende Nuklearkapazität wird nach den Plänen der Bundesregierung langfristig durch erneuerbare Energie ersetzt, doch müssen zunächst Kohle- und Gaskraftwerke die Hauptlast tragen. Auch in zehn Jahren wird der größte Teil der Elektrizität noch aus fossil befeuerten Kraftwerken stammen. Dong-Manager hatten bereits 2010 neue Gaskraftwerke in Deutschland in Aussicht gestellt, bisher jedoch mit der Realisierung gezögert. Jetzt aber wachsen ihre Chancen.