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Studie

Erdgas: Nationale Krisenreserve nicht nötig

Eine staatliche deutsche Erdgasreserve ist nach Meinung von Experten nicht zwingend nötig. Eine aktuelle Analyse für die Regierung hat die Versorgung prinzipiell als sicher bewertet. Voraussetzung sei, dass die am Markt verfügbaren Gasspeicher ausreichend gefüllt seien.

Gasversorgung© mikari / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Eine strategische Erdgasreserve für Versorgungskrisen wird einer im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellten Analyse zufolge in Deutschland nicht zwingend benötigt, sofern die am Markt frei verfügbaren Speicher ausreichend gut gefüllt sind. Die Versorgungssicherheit sei "sehr hoch", und nur beim Zusammentreffen mehrerer extremer Risikofaktoren stoße das derzeitige System definitiv an Grenzen, heißt es in der am Dienstag in Berlin veröffentlichen Studie einer Wirtschaftskanzlei.

Wann wird die Versorgungslage kritisch?

Demnach würde die Versorgungslage in Deutschland bei normalem Speicherfüllstand nur bei einem anhaltenden Komplettausfall der Gasimporte aus einem zentralen Lieferland während eines extremen und langen Winters "kritisch" werden, weil die Kapazitäten dann nach einer gewissen Zeit nicht mehr ausreichen könnten. In einem normalen Winter könnte die Unterbrechung der Gasimporte in diesem Fall dagegen noch problemlos kompensiert werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium wertete die Analyse der Experten als eine Bestätigung seiner eigenen Lageeinschätzung. "Die Gasspeicherstudie unterstützt die Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums, dass unsere Erdgasversorgung heute bereits sehr sicher ist", erklärte Staatssekretär Rainer Baake. Sie zeige aber auch Maßnahmen auf, durch welche die Versorgungssicherheit gestärkt werden könne. Diese würden nun mit den Bundesländern und den betroffenen Marktakteuren diskutiert, kündigte er an.

Nationale Krisenreserven für Öl und Ölprodukte

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise und des Konflikts mit Russland hatte die Bundesregierung die Untersuchung im November in Auftrag gegeben. Russland ist der wichtigste Erdgaslieferant für Deutschland, die Entwicklungen in Osteuropa schüren daher die Sorge vor Lieferstörungen. Die Analyse soll zur Klärung der Frage beitragen, ob eine staatlich kontrollierte Erdgasbevorratung sinnvoll wäre. Eine solche nationale Krisenreserve gibt es bislang nur für Öl und wichtige Ölprodukte wie Benzin oder Kerosin.

Ausfall der russischen Lieferungen simuliert

Zu diesem Zweck simulierten die Experten die Lage bei einem Komplettausfall der Gaslieferungen aus Russland aufgrund eines "politischen Konflikts" im Zusammenspiel mit weiteren Annahmen und Szenarien. Parallel errechneten sie auch die finanziellen und sonstigen Kosten für den Aufbau der Notfallreserve, etwa durch höhere Preise.

Der Analyse zufolge reicht das aktuelle deutsche System abgesehen vom schlimmsten Szenario generell aus, sofern die kommerziellen Speicher gut genug gefüllt seien und eventuell ergänzende kleinere Verbesserungen eingeführt würden. Dazu gehört etwa die Sicherung von Lieferoptionen für Flüssiggas oder die Pflicht von Netzbetreibern zur Vorabmodellierung von Krisenszenarien.

Reserve würde 380 Millionen pro Jahr kosten

Gebe es trotzdem dem Wunsch nach mehr Sicherheit bei der Versorgung, sei eine "klein dimensionierte, strategische Reserve" zu bevorzugen, erklärten die Verfasser. Damit könne sich der Staat gegen zu geringe Füllstände in den Speichern der Netzbetreiber und Importeure oder gegen kürzere extreme Kältephasen zusätzlich absichern. Die Kosten für die Reserve lägen bei rund 380 Millionen Euro im Jahr.

Quelle: AFP