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Rückgang

Erdgasförderung: Tiefster Stand seit 1970

Die Erdgasförderung in Deutschland ist 2010 auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gesunken. Wie der WEG am Donnerstag in Hannover mitteilte, wurden 12,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, zwölf Prozent weniger als 2009. Die heimische Förderung sinkt seit sieben Jahren.

Gaskosten© Jaap2 / iStockphoto.com

Hannover (dapd-nrd/red) - Die Förderung hatte zuletzt 1970 ebenfalls nur 12,7 Milliarden Kubikmeter Gas erbracht. Nach Angaben des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) gingen auch die bekannten Gasreserven im vergangenen Jahre um zehn Prozent zurück. Der WEG bezifferte sie auf 136,7 Milliarden Kubikmeter am Jahresende. Verglichen mit Ende 2008 schrumpften die Reserven sogar um ein Viertel. Der WEG-Vorsitzende Gernot Kalkoffen machte die Neubewertung der Kapazität mehrerer großer Gasfelder dafür verantwortlich. "Auch bei der Förderung können die Felder, die wir neu in die Produktion bringen, den Rückgang nicht kompensieren", sagte er.

Wirtschaftlichkeit des unkonventionellen Gases unklar

Im vergangenen Jahr wurden 14 Prozent der deutschen Erdgasverbrauchs aus heimischer Produktion abgedeckt. Das entspreche der Beheizung von sieben Millionen Haushalten, sagte der WEG-Vorsitzende. Kalkoffen, der hauptberuflich Vorstandsvorsitzender von ExxonMobil Central Europe ist, erwartet in Deutschland keine schnelle Erschließung unkonventioneller Gaslagerstätten. "Wir sind in der Erkundungsphase, wo wir das Potenzial zunächst abschätzen", betonte er. Man wisse zwar, dass es viel unkonventionelles Gas gebe, aber noch nicht, ob dessen Förderung wirtschaftlich sei.

Das bei der unkonventionellen Gasförderung angewandte Fracking-Verfahren verteidigte Kalkoffen. In den USA, wo in großem Umfang unkonventionelles Gas gefördert werde, sei kein einzige Fall einer nachhaltigen Schädigung des Grundwasser durch Fracking dokumentiert. Auch in Deutschland dürfe nur ein Betrieb ohne Unfälle und Vorfälle Standard sein, sagte er mit Blick auf Berichte über bei dem Verfahren ausgetretene Chemikalien. Auch die Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Fracking nehme man ernst, betonte Kalkoffen.

Auch Erdölförderung nimmt ab

Auch Förderung und Reserven des heimischen Erdöls entwickelten sich nach Angaben des WEG im vergangenen Jahr negativ. Im Inland wurden demnach 2,5 Millionen Tonnen Erdöl gefördert - nach 2,8 Millionen Tonnen im Vorjahr. Die Reserven verringerten sich zugleich von 41,1 Millionen auf 35,9 Millionen Tonnen. Deutsches Erdgas wurde im vergangenen Jahr zu 95 Prozent in Niedersachsen gefördert. Die Ergasproduzenten hätten allein in Niedersachsen 604 Millionen Euro an Förderabgabe gezahlt, sagte Kalkoffen. Allerdings seien es im Jahr zuvor noch 792 Millionen Euro gewesen. Das Land habe die Abgabe nun zu Jahresbeginn von 32 auf 36 Prozent der Fördererlöse erhöht.