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Rückzug

Erdgassuche in Thüringen abgeblasen

Entgegen früheren Planungen will das Unternehmen BNK Deutschland in Thüringen nicht nach Erdgas suchen. Jüngst gestellte Anträge für die Betriebspläne zu seismischen Messungen wird die Firma zurückziehen, wie ein Sprecher am Montag in Hannover sagte. Das Unternehmen verweist zur Begründung auf ein internes Ranking.

Gasflamme© klikk / Fotolia.com

Hannover/Erfurt (dapd/red) - Grund für die Planänderung ist offenbar, dass BNK bei der Erdgassuche anderen Gebieten den Vorrang gibt. Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) und die Grünen befassen sich unterdessen bereits mit der Frage bundeseinheitlicher Regelungen zu unkonventionellen Fördermethoden für Erdgas.

Erst vor rund zwei Wochen hatte das Thüringer Landesbergamt mitgeteilt, dass BNK einen Betriebsplan für seismische Messungen im Unstrut-Hainich-Kreis und angrenzenden Gebieten vorgelegt habe. Mit den Messungen wollte das Unternehmen Informationen über mögliche konventionelle Erdgasvorkommen in der Gegend erhalten, das umstrittene Fracking-Verfahren wollte BNK aber nicht mehr zum Einsatz bringen. Auch die Landesregierung hatte die Technik abgelehnt. Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck durch ein Bohrloch Hunderte Meter tief in den Untergrund gepresst.

Weder konventionell noch mit Fracking

Nun sind aber offenbar auch die Pläne für eine konventionelle Erdgasförderung vom Tisch: BNK werde die Erdgassuche in Thüringen und Sachsen-Anhalt nicht weiter verfolgen und sich in Deutschland auf die verbleibenden Vorhaben konzentrieren, hieß es. Die Entscheidung sei Ergebnis eines internen Rankings aller internationalen Unternehmensprojekte.

Reinholz kündigte an, er werde sich weiter für eine bundesweite Regelung zur Förderung unkonventioneller Erdgasvorkommen einsetzen: Auch wenn Thüringen nicht mehr betroffen sei, sei weiterhin eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung für Verfahren wie das Fracking nötig.

Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen zeigten sich erleichtert darüber, dass mit dem Rückzug des Unternehmens ein möglicher Einsatz des Fracking-Verfahrens endgültig ausgeschlossen sei. Vor allem die Grünen hatten in der Vergangenheit gewarnt, das Thema Fracking sei in Thüringen noch nicht abgeschlossen, da erst die nun abgesagten seismischen Messungen Gewissheit über das tatsächliche Vorkommen und mögliche Ausmaße von Schiefergaslagern gebracht hätten.

Grüne: Fracking auch in anderen Bundesländern verhindern

SPD-Umweltexperte Frank Weber sagte, seine Partei habe immer bezweifelt, dass es nennenswerte Vorkommen von Erdgas in Thüringen gebe, die sich wirtschaftlich vertretbar erschließen und fördern lassen. Mit dem Verzicht auf das Fracking-Verfahren habe der Umweltschutz die Oberhand über wirtschaftliche Interessen behalten: "Heute ist ein guter Tag für Mensch und Umwelt in Thüringen - und insbesondere für das Trinkwasser in unserem Freistaat", sagte er.

Auch der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Frank Augsten, sagte, er begrüße die Entscheidung des Unternehmens. Er forderte die Landesregierung zugleich auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass die Erkundung und Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen auch in anderen Bundesländern verhindert wird.

Nach wie vor keine Entwarnung geben wollte der Umweltexperte der Links-Fraktion, Tilo Kummer: Niemand könne vorhersagen, ob in der Zukunft neue Erkundungen beantragt würden, sagte er. "Gerade deshalb halten wir die Novellierung des Bundesberggesetzes auch weiterhin für unabdingbar." Gewährleistet werden müsse vor allem, dass die Bevölkerung von Anfang an über Planungen zur Erdgasförderung informiert werde.