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Eröffnung

Erstes Erdgas fließt durch die Ostseepipeline

Das erste sibirische Erdgas strömt auf direktem Weg von Russland nach Deutschland. Am Dienstag haben Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Russland, Frankreich und den Niederlanden am deutschen Anlandepunkt in Lubmin den ersten Strang der russisch-europäischen Ostseepipeline Nord Stream offiziell in Betrieb genommen.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Lubmin (dapd/red) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die 1.224 Kilometer lange Trasse als strategisches Projekt, das beispielhaft für eine sichere und belastbare Partnerschaft und Kooperation zwischen der EU und Russland sei. Für die europäische Energieversorgung werde Russland auf Jahrzehnte hinaus einer der herausragenden Partner sein. Zugleich kündigte sie weitere Gespräche über das umstrittene EU-Energiebinnenmarktpaket an.

EU setzt auf Erschließung weiterer Erdgasquellen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte, Europa werde für Russland ein zuverlässiger Kunde sein. Zugleich kündigte er an, neben russischen Erdgasquellen auch weitere Kapazitäten erschließen zu wollen. Dazu gehörten Vorkommen in Norwegen, Algerien, Katar und Zentralasien. Die Nord Stream-Trasse bezeichnete er als wichtigen Schritt zum Aufbau eines paneuropäischen Transportnetzes. Aber auch künftig wolle man nicht auf bestehende Trassen durch die Ukraine und Weißrussland, deren Zustand derzeit nicht sehr gut sei, verzichten.

Von einer neuen Seite in der Partnerschaft zu Europa sprach Russlands Präsident Dimitrij Medwedew. Die zunehmende Verknüpfung der Gastransportnetze werde die Risiken von der Gasförderung bis zur Stromerzeugung minimieren. "Ungeachtet bestehender Differenzen bietet die langfristig ausgerichtete, für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit Möglichkeiten für weitere hervorragende und exzellente Projekte, nicht nur im Energiebereich", betonte er.

Für den niederländischen Premierminister Mark Rutte kommt die Ostseepipeline genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Bedeutung einer zuverlässigen Gasversorgung werde in der Wachstumsregion Westeuropa in den kommenden Jahren weiter steigen, sagte er. Von einer "neuen Schlagader" sprach Frankreichs Premierminister Francois Fillon. Sein Land setze auf die Kombination von Atomkraft und regenerativen Energien, die mit Erdgas stabilisiert werde. Das neue französisch-russische Zentrum für Energieeffizienz könnte für beide Länder in der Energieversorgung weitere Partnerschaften vorbereiten.

An dem Festakt am Greifswalder Bodden nahmen auch der frühere Bundeskanzler und Nord Stream-Aufsichtsratschef Gerhard Schröder sowie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) teil.

Stündlich strömt eine Million Kubikmeter Gas durch Pipeline

Mit einem Druck von zunächst etwa 80 Bar fließen seit Dienstag stündlich zunächst etwa eine Million Kubikmeter sibirisches Gas über den deutschen Anlandepunkt zu Kunden in West- und Südeuropa, ausreichend, um mehr als vier Millionen Haushalte zu versorgen. Der erste Strang sei damit zu etwa einem Drittel der technischen Volllast in Betrieb, sagte Nord Stream-Projektleiter Henning Kothe.

Mit der schrittweisen Inbetriebnahme von insgesamt acht Hochleistungskompressoren in der russischen Verdichterstation Babajewo werde in den nächsten Wochen die volle Lieferkapazität hergestellt. Inzwischen sei bereits die gesamte Jahrestransportmenge von 27,5 Milliarden Kubikmeter an west- und südeuropäische Kunden verkauft.

Zweiter Strang liegt leicht vorm Zeitplan

Nach Angaben des Betreiberkonsortiums Nord Stream gehen auch die Verlegearbeiten für den zweiten Strang der Ostseepipeline gut voran. Inzwischen seien bereits 833 Kilometer Leitungsrohre mit Spezialschiffen vor Russland, Finnland und Deutschland verlegt worden, sagte Projektchef Kothe. "Wir liegen damit leicht vor dem Zeitplan, so dass voraussichtlich Ende März kommenden Jahres die Verlegearbeiten vor der schwedischen Insel Gotland abgeschlossen sein werden." Die Inbetriebnahme der Zwillingsröhre sei für das zweite Quartal 2012 geplant. Damit werde die Ostseepipeline dann ihre Gesamtkapazität von jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas erreichen.