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Zeitungsbericht

EU-Firmen wollen Konkurrenz zu Gazprom bilden

Die Energieabhängigkeit Europas ist seit der Ukraine-Krise ein viel diskutiertes Thema. Vor diesem Hintergrund könnte sich die europäische Gaswirtschaft durch eine grenzüberschreitende Fusion neu organisieren und sich damit als Konkurrent zu dem russischen Lieferanten Gazprom positionieren.

Gasometer© Werner Dreblow / Fotolia.com

Berlin (dpa-AFX/red) - Europa will sich einem Zeitungsbericht zufolge unabhängiger vom russischen Erdgas machen. Mehrere europäische Pipeline-Betreiber planten ein zentrales europäisches Gas-Marktgebiet, berichtet "Die Welt" (Montag) unter Berufung auf Teilnehmer der Konferenz "Gas Infrastructure Europe" der führenden europäischen Gasunternehmen. Durch die Fusion könnte aus dem in 13 Gebiete aufgeteilten Gasmarkt ein einheitlicher europäischer Großmarkt werden, der attraktiver für neue Lieferanten von verflüssigtem Erdgas (LNG) sein könnte.

50 Prozent des Bedarfs decken

Die derzeit zwei deutschen Gasmarktgebiete NetConnect Germany und Gaspool könnten auch an der Zusammenlegung beteiligt sein, hieß es weiter. Beide Unternehmen hätten sich dazu nicht äußern wollen. Es gehe bei den Gesprächen um eine mögliche Zusammenlegung mit belgischen und/oder niederländischen Marktgebieten. Die drei Gebiete zusammen würden laut "Welt" rechnerisch für die Hälfte der europäischen Gasnachfrage stehen.

Konkurrenz zu Gazprom

Die westliche Energiewirtschaft könnte von einem solchen Zusammenschluss profitieren: Sie wäre erstmals in der Lage, der Preismacht des russischen Hauptlieferanten Gazprom einen "europäischen Referenzpreis" entgegenzustellen. Bislang habe der russische Gas-Gigant aus Mangel an einem einheitlichen westeuropäischen Preis vor allem Gaslieferverträge mit Bindung an den Ölpreis abschließen können.

Energieunabhängigkeit schaffen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) begrüßte die Gespräche über ein zentrales Marktgebiet: "Eine Zusammenlegung im Herzen Europas wäre aus Sicht der Kommission sehr willkommen und ein wichtiger Schritt zur Schaffung eines liquiden Binnenmarkts", sagte er der "Welt". Erst jüngst hatte Oettinger eine europäische Strategie für eine größere Energieunabhängigkeit der EU vorgelegt. Dazu gehören hohe Investitionen in den Leitungsbau und mehr LNG-Terminals. Auf dem EU-Gipfel Ende der Woche wollen die Staats- und Regierungschefs darüber beraten.