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Klimaschutz

EU-Parlament stimmt für Kompromiss bei CO2-Grenzen

Bei den Abgasgrenzwerten für CO2 hat sich das Europaparlament jüngst für einen Kompromiss entschieden. Die strengeren Vorgaben von 95 Gramm pro Kilometer gelten erst ab 2021. Während Klimaschützer die Nachteile für den Klimaschutz bemängeln, ergeben sich für die Industrie Möglichkeiten großer Einsparungen.

Abgase© Stefan Redel / Fotolia.com

Straßburg (dpa/red) - Die Autobranche muss in der EU ab 2020 schärfere CO2-Grenzen für Neuwagen einhalten, bekommt bei der Umsetzung aber mehr Zeit als ursprünglich geplant. Das EU-Parlament stimmte am Dienstag in Straßburg für diesen Kompromiss bei den Klimaauflagen. Bei neuen Autos soll die Obergrenze für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 ab 2021 auf 95 Gramm pro gefahrenen Kilometer (g/km) gesenkt werden. Dabei müssen ab 2020 bereits 95 Prozent der Flotte diesen Wert unterschreiten. Ab 2015 soll der zulässige Grenzwert zunächst bei 130 g/km liegen.

Kritik an niedrigem Niveau

Schon heute gibt es solche Zielwerte, die nach und nach verschärft werden. Deutschland hatte das Vorhaben für die jüngsten CO2-Reduktionsziele zuletzt monatelang blockiert. Die Fahrzeuge würden nun jedoch erheblich sparsamer, "und die europäischen Hersteller bleiben weltweit führend bei umweltschonenden Fahrzeugen", sagte der Berichterstatter des Europaparlaments, Thomas Ulmer (CDU).

Die neuen Bestimmungen sollen für Hersteller gelten, die pro Jahr mehr als 1.000 Fahrzeuge produzieren. Die Grünen äußerten Kritik an einem Kompromiss auf niedrigem Niveau: Viele Autobauer hätten bereits heute den Grenzwert für 2015 längst erreicht, sagte ihr verkehrspolitischer Sprecher Michael Cramer.

Den Geldbeutel schonen

Der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Jens Hilgenberg, nannte den verbindlichen Grenzwert von 95 Gramm "ein gutes Signal für mehr Klimaschutz". Es sei allerdings ein "Wermutstropfen, dass der Grenzwert erst ab 2021 gilt und die Hersteller schwerer Fahrzeuge weiterhin privilegiert werden". Der SPD-Abgeordnete Matthias Groote sagte dagegen, das neue Recht schone den Geldbeutel der Autofahrer, schütze das Klima und liefere Anreize für nachhaltige Jobs in der Industrie.

Elektroautos können angerechnet werden

Erleichterungen sind für Hersteller von Elektroautos und anderen schadstoffarmen Fahrzeugen vorgesehen. Solche Wagen können sich die Autobauer zwischen 2020 und 2022 gleich mehrfach für ihre Klimabilanz anrechnen lassen - allerdings nur begrenzt. Dies soll Investitionen in klimafreundliche Antriebe zusätzlich beflügeln.

Die technischen Möglichkeiten würden durch diesen Kompromiss aber nicht ausgeschöpft und schadeten deshalb dem Klima, den Verbrauchern und der Zukunftsfähigkeit der heimischen Automobilindustrie, hieß es in einer Stellungnahme der deutschen Grünen.

Quelle: DPA