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Nordsee

Experten warnen vor Explosion auf havarierter Gasplattform (Upd.)

Nachdem das Leck am Sonntag entdeckt und ein Sperrgebiet eingerichtet worden war, warnen Wissenschaftler nun vor einer Explosion auf der havarierten Nordsee-Plattform. Kommt das durch das Leck austretende Gas mit der brennenden Fackel an der Spitze der Förderplattform in Kontakt, entzündet es sich.

Gaskosten© Jaap2 / iStockphoto.com

London (afp/red) -Angesichts des Lecks an der havarierten Gasplattform in der Nordsee haben Experten am Mittwoch vor einer drohenden Explosion gewarnt. Wissenschaftlern zufolge könnte es zu einer Explosion kommen, wenn das durch das Leck austretende Gas mit der an der Spitze der Förderplattform brennenden Fackel in Kontakt kommt. Ein Sprecher des Energiekonzerns Total trat den Befürchtungen entgegen.

Angesichts der Windrichtung und der Zusammensetzung des ausströmenden Gases bestehe nicht die Gefahr, dass sich das Gas entzünde, sagte ein Total-Sprecher der Nachrichtenagentur afp. Der Total-Sicherheitschef für Großbritannien, David Hainsworth, räumte dagegen ein, dass eine Explosion nicht auszuschließen sei. "Wir haben eine Anzahl von Risiken ausgeschaltet, aber es ist gibt immer noch eine Möglichkeit. Sie ist gering, aber man sollte niemals 'nie' sagen", sagte Hainsworth der BBC.

Experten warnen vor Explosionsgefahr

Der Ozeanograph Simon Boxall von der Universität Southampton warnte, bei einer Windstille könne das bislang an den Füßen der Plattform gesammelte Gas aufsteigen und sich an der Fackel entzünden. Wegen der Explosionsgefahr könne derzeit kein Team zu der Anlage geschickt werden, um die Flamme zu löschen. Mit der Fackel wird normalerweise nicht genutztes Gas über der Plattform verbrannt.

Ein Experte der Universität Liverpool zeigte sich überrascht, dass die Flamme drei Tage nach Stilllegung der Plattform noch nicht erloschen sei. Die Explosionsgefahr sei "sehr schwer vorauszusagen". Vermutlich konzentriere sich das ausströmende Gas am Fuße der Plattform, sagte der Experte Martin Preston. Durch Windwirbel könnte es jedoch in Kontakt mit der Fackel geraten. Solange die Flamme nicht gelöscht sei, könne sich aus Sicherheitsgründen niemand der Anlage nähern.

Informationspolitik von Total steht in der Kritik

Der schottische Umweltminister Richard Lochhead kritisierte die Informationspolitik von Total: "Es handelt sich um eine sehr ernste Situation und wir können natürlich nicht vor Ort nachschauen, was los ist." Der französische Energiekonzern müsse daher "absolut transparent" informieren.

Die Umweltorganisation Greenpeace schickte ein Flugzeug mit zwei Kameraleuten und einem Experten an Bord in die Region, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Die Flugverbotszone werde Greenpeace nicht verletzen, sagte ein Greenpeace-Sprecher. Es sei daher zunächst offen, ob Aufnahmen der Anlage möglich seien. Total schickte nach eigenen Angaben ein Schiff mit einem ferngesteuerten U-Boot in die Region, mit dem das unter der Wasseroberfläche liegende Leck untersucht werden kann.

Schwerster Zwischenfall seit einem Jahrzehnt

Das Gasleck an der Plattform Elgin PUQ war am Sonntag entdeckt worden. Laut Total handelt es sich um den schwersten Zwischenfall in der Nordsee für den Konzern seit einem Jahrzehnt. Mehr als 300 Arbeiter wurden von der Plattform fortgebracht, um sie herum ein Sperrgebiet eingerichtet. Auf dem Meer bildete sich ein zwölf Quadratkilometer großer Teppich aus Gaskondensat.

Total prüfte die Möglichkeiten, das Leck zu beheben, etwa durch eine Entlastungsbohrung. Nach Angaben eines Sprechers könnte es bis zu sechs Monate dauern, bis das Problem behoben ist. Die Kurse der Total-Aktien fielen angesichts des Unglücks. Nachdem sie am Dienstag bereits um sechs Prozent nachgegeben hatten, sackten sie am Mittwoch weiter ab.

Die deutsche Grünen-Expertin Valerie Wilms warnte, die Öl- und Gasförderung im Meer bleibe gefährlich. Es sei "unglaublich enttäuschend", dass sich seit dem Unglück der Öl-Plattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko vor knapp zwei Jahren nichts geändert habe und die Haftungsregeln bei derartigen Unfällen nach wie vor ungeklärt seien.