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Ukraine-Krise

Forscher: Gasversorgung ist gesichert

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine muss deutschen Verbrauchern aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) noch kein Kopfzerbrechen bereiten. Europa ist längst nicht mehr so abhängig von Moskau wie früher - zumindest im Westteil. Deutlich teurer werden könnte es allerdings schon, sollte Russland nicht mehr liefern.

Pipeline© James / Fotolia.com

Berlin/Düsseldorf (dpa/dpa-AFX/red) - Wie viele westeuropäische Staaten kann die Bundesrepublik einen möglichen Stopp russischer Erdgaslieferungen durch die Ukraine verkraften, wie eine Studie des Instituts im Auftrag der Grünen-Fraktion im Europaparlament ergab. Demnach gibt es ausreichend Reserven und Lieferwege um die Ukraine herum.

Genug Gas auf den Weltmärkten

"Wir können relativ entspannt sein", sagte DIW-Ökonomin Claudia Kemfert am Dienstag. "Würde die Lieferung über die Ukraine auch über den nächsten Winter hinweg ausfallen, würden wir das kompensieren können." Es gebe ausreichend Erdgas auf den Weltmärkten, Norwegen und Nordafrika etwa könnten mehr liefern.

Das Institut betonte, dass zudem durch die Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee russisches Erdgas direkt nach Deutschland fließt, durch die Jamal-Pipeline aus Weißrussland außerdem über Polen. Ein Viertel des deutschen Jahresverbrauchs lagere in Speichern.

Preise könnten um ein Fünftel steigen

Wenn Russland aber sämtliche Gashähne zudrehen würde - was derzeit nicht zur Debatte steht -, wären in Westeuropa nach der Studie Engpässe und höhere Preise möglich, in Deutschland etwa um 20 Prozent. Stärker wäre Osteuropa betroffen, wo viele Staaten abhängiger von Russland seien. In Finnland und im Baltikum ergibt das DIW-Szenario sogar eine Verdoppelung der Gaspreise.

Deutschland erhält laut DIW 38 Prozent seines Erdgases aus Russland. Trotzdem empfehlen die Wirtschaftsforscher der Bundesrepublik und den übrigen EU-Staaten, den Kreis ihrer Lieferanten weiter zu vergrößern. Notwendig seien etwa weitere Terminals für Flüssiggas in den Häfen.

Hoffen auf einen Kompromiss

Nach einem Spitzentreffen der ukrainischen und russischen Energieminister mit der EU-Kommission am Montag in Berlin wurden unverändert Differenzen über den künftigen Gaspreis für die Ukraine deutlich. Ein Kompromissvorschlag liegt auf dem Tisch, dem zufolge die Ukraine eine Anzahlung auf die Gasschulden leisten müsste. Auch Putin muss dieser Lösung noch zustimmen.

Wenn Kiew seine bisherigen Zahlungsverpflichtungen erfülle, sei Russland bereit, über weitere Gaspreisrabatte zu reden, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak dem "Handelsblatt". Auch am Bau der South-Stream-Gaspipeline nach Europa will Russland festhalten.

Quelle: DPA