Startseite
Kontrovers

Forschungsleiter: Fracking-Studie falsch gedeutet

Die andauernde Diskussion ums Fracking erhält neuen Zündstoff. Uwe Dannwolf, Leiter der wissenschaftlichen Studie, die bundesweit als Beleg für die Gefahren beim Fracking dient, widerspricht der Interpretation, die UBA-Präsidentin Krautzberger zu der Studie getroffen hat. Er hält die Risiken der Technologie für beherrschbar.

Hydraulic Fracturing© Nightman1965 / Fotolia.com

Hamburg (red) - Der wissenschaftliche Leiter der jüngsten Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zum Thema Fracking hat sich erstaunt darüber gezeigt, dass die Behörde die Gasfördermethode als riskant und gefährlich einstuft. "Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie", hatte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger bei der Vorstellung des Papiers Ende Juli als Fazit verkündet.

Studienleiter Uwe Dannwolf widerspricht ihr: "In unserem Gutachten stehen solche Worte nicht drin", so der Hydrogeologe im Interview mit dem ARD-Politikmagazin "Panorama". "Was Frau Krautzberger macht, kann ich ihr nicht vorschreiben. Ich kann nur auf das Gutachten verweisen und sagen, ich würde es so nicht auslegen." Die Risiken beim Fracking hält er für beherrschbar, sie gingen nicht über die anderer Technologien hinaus.

Grundlage für Gesetzesentwurf

Pikant daran: Die Studie wurde bundesweit als aktueller Beleg für die Gefahren von Fracking wahrgenommen. Sie ist eine wichtige Grundlage für den Gesetzentwurf zur Regulierung von Fracking, der derzeit gemeinsam vom Bundeswirtschafts- und vom Bundesumweltministerium ausgearbeitet wird, berichtet der Norddeutsche Rundfunk. Laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) werde man darin die weltweit schärfsten Regelungen zum Fracking vorlegen.

Dannwolf: Geltende Vorgaben reichen aus

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger hatte Fracking im Schiefergestein als Risiko für das Trinkwasser bezeichnet. Dezidiert widersprach Dannwolf im "Panorama"-Interview der Auffassung, aufsteigende Frackingsflüssigkeit könne sich unkontrolliert im Boden ausbreiten und sei dadurch eine Gefahr für Trinkwasserschichten. Er hält die schon jetzt geltende Vorschrift von mindestens 1.000 Metern Abstand zwischen Fracking und dem Trinkwasser für ausreichend.

Hendricks sieht keine Zukunft für Schiefergas

Krautzberger wollte sich "Panorama" gegenüber nicht äußern. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lehnte im Interview mit "Panorama" eine direkte Kommentierung des Vorgangs ab. Generell stimme sie aber weiter vollständig mit der kritischen Position des Umweltbundesamts zu Fracking überein. Zur Zukunft von Schiefergas in Deutschland sagte Hendricks: "Ich sehe nicht, dass Schiefergas auf absehbare Zeit eine Zukunft in Deutschland hat, eine wirtschaftliche Zukunft ganz gewiss nicht."

Neue Studie: Fracking beherrschbar

Ein neuer Bericht der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) kommt ebenfalls zu dem Fazit, dass die Risiken durch Fracking beherrschbar seien. "Ein generelles Verbot von Hydraulic Fracturing erscheint auf der Basis von wissenschaftlichen und technischen Fakten nicht begründbar", heißt es in dem Papier, das "Panorama" vorliegt. Daher könnte die Technologie in die weitere Erforschung und Anwendung gehen, wenn sachgerecht gearbeitet werde. Vor jedem Frackvorgang müsse jedoch eine Voruntersuchung stattfinden.

Mehrere führende Geowissenschaftler fordern in dem Bericht eine sachliche Debatte über die umstrittene Technologie unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile. "Die grundsätzliche und emotionale Ablehnung in Teilen der Gesellschaft beruht im Wesentlichen auf spektakulär aufbereiteten und teilweise sensationsgetragenen Medienberichten über Vorfälle im Zusammenhang mit der Gewinnung von Schiefergas in den USA."