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Ghislenghien

Freispruch im Fall der belgischen Gas-Katastrophe (Upd.)

Fünfeinhalb Jahre nach dem schweren Gasunglück im belgischen Ghislenghien ist das Gastransportunternehmen Fluxys freigesprochen worden. Das zuständige Gericht sah keine Schuld bei der Transportfirma und distanzierte sich damit von der Staatsanwaltschaft. Es sind weitere Prozesse anhängig.

Gaspreise© photoGrapHie / Fotolia.com

Brüssel (afp/red) - Ein Strafgericht im westbelgischen Tournai urteilte am Montag, dass die Firma keine Schuld für das Unglück mit 24 Toten und 132 Verletzten treffe, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Im Industriegebiet von Ghislenghien südwestlich von Brüssel war am 30. Juli 2004 beim Bau einer Fabrik eine Gasleitung explodiert. Ein Arbeiter der Baugesellschaft Diamant Boart hatte die Leitung fünf Wochen zuvor beschädigt.

Einen Architekten, der für Husqvarna damals die Bauarbeiten der neuen Fabrik im Industriegebiet von Ghislenghien leitete, sprach das Gericht im westbelgischen Tournai dagegen wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen wegen fahrlässiger Tötung schuldig, wie der Privatsender RTL-TVI berichtete. In dem seit Mai laufenden Verfahren mussten sich auch Baufirmen, Verantwortliche der Feuerwehr und örtliche Behörden verantworten. Die Verlesung des 286 Seiten langen Urteils sollte fast den gesamten Tag andauern.

Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Fluxys nicht dazu verpflichtet gewesen sei, bei Bauarbeiten über den von ihr genutzten Gasleitungen die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu überwachen, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die Firma habe vorschriftsmäßig gehandelt, als die Feuerwehr sie am 24. Juni 2004 auf ein Leck aufmerksam gemacht habe. Die Überwachung der Sicherheitsvorschriften sei Aufgabe des Feuerwehr-Chefs gewesen, der bei dem Unglück fünf Wochen später ums Leben kam.

Auf dem Gelände im Industriegebiet von Ghislenghien wurden seinerzeit Gebäude für eine damalige Tochtergesellschaft des Geräteherstellers Husqvarna gebaut, Diamant Boart. Laut Beweisaufnahme beschädigte ein Bauarbeiter am 24. Juni die Gasleitung. Für den Bau seiner neuen Fabrik habe Husqvarna zwar zu knappe Fristen gesetzt. Die Verstöße gegen die Bauvorschriften hingen laut Gericht jedoch nicht mit der Explosion zusammen.

Mit dem Freispruch für Fluxys und Husqvarna folgten die Richter nicht der Argumentation der Staatsanwaltschaft, die eine Hauptschuld bei den beiden Unternehmen sah. "Eine Enttäuschung nach der anderen - ich bin geschockt", sagte der Bauarbeiter David Da Palma, der als einer von rund 500 Nebenklägern in dem Verfahren auftrat. Er war bei dem Unglück schwer verletzt worden.

Die belgische Staatsanwaltschaft will die Freisprüche im Prozess um das schwere Gasunglück von Ghislenghien nicht akzeptieren. "Wir gehen in Berufung", kündigte am Dienstag die zuständige Staatsanwältin Marie-Claude Maertens im öffentlich-rechtlichen Rundfunk an.

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