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Prespektiven

Gas könnte Zyperns Finanzprobleme lösen

Das hochverschuldete Zypern hat im Ringen um finanzielle Hilfe der EU nach Expertensicht einen wertvollen Trumpf in der Hinterhand: Die Mittelmeerinsel verfügt laut einem Bericht der Royal Bank of Scotland (RBS) über unerschlossene Gasreserven im Wert von über 600 Milliarden Euro.

Gaspreise© C Barhorst / Fotolia.com

Nikosia (AFP/red) - Für das vom Bankrott bedrohte Land seien die Energiereichtümer ein Segen. Doch bis Zypern aus den Gasvorkommen Geld machen kann, ist es noch lange hin.

"Zypern wird geopolitisch wichtig für Gas-Pipelines, und Europa dürfte von einer größeren Energiesicherheit fernab von Russland profitieren", heißt es in dem RBS-Bericht. Sein Land könne 2019 mit dem Export beginnen und bis zu zehn Prozent des Energiebedarfs der EU abdecken, zeigt sich der Chef des staatlichen Energieunternehmens, Charles Ellinas, sicher. "Das ist nicht völlig hypothetisch", versichert er. "Wenn man über die nächsten Jahre hinwegsieht, schaut die Zukunft rosig aus. Nach 2020 werden wir mit der Rückzahlung unserer Schulden beginnen und vielleicht sogar einen Überschuss erwirtschaften."

Kredite in Höhe der eigenen Wirtschaftskraft

Zypern benötigt nach eigenen Angaben derzeit Kredite in Höhe von rund 17 Milliarden Euro. Die Summe entspricht fast der jährlichen Wirtschaftskraft der Insel. Derzeit führt die Regierung in Nikosia Gespräche mit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds. Die Lage auf der Mittelmeerinsel stand am Montag auf der Tagesordnung des Treffens der Eurogruppe.

Den Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds hat Zypern bereits im Juni gestellt. Er ist umstritten, weil dem Land wird vorgeworfen wird, nicht entschieden gegen Steuerbetrug und Schwarzgeld etwa aus Russland vorzugehen. In den Verhandlungen mit der internationalen Geldgeber-Troika lehnte die Regierung in Nikosia zudem Reformvorschläge wie die Privatisierung von Staatsbesitz strikt ab. Ein EU-Diplomat sagte am Montag in Brüssel, eine "vertiefte Diskussion" über Höhe und Bedingungen für eine Hilfe sei erst nach der Amtseinführung eines neuen Präsidenten und somit voraussichtlich erst im März möglich.

Die Rohstoffausbeute von "Europas neuem Glückskind ist eine mittel- bis langfristige Geschichte", heißt es im Bericht der Royal Bank of Scotland. Wenn weitere Probebohrungen die erfolgreichen ersten Untersuchungsergebnisse aber bestätigen, dann könnten diese das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um ein Vielfaches übersteigen. "Das langfristige Potenzial von Zypern ist sehr gut. Aber kurzfristig muss es durch Sparmaßnahmen Korrekturen vornehmen", sagt RBS-Analyst Michael Michaelides.

Noble Energy hatte angefangen

Erkundungen vor der Küste Zyperns durch das US-Unternehmen Noble Energy deuten auf Gasreserven von bis zu 255 Milliarden Kubikmeter hin. Noble geht davon aus, dass das Gas ab Ende 2018 kommerziell gefördert und im Jahr darauf nach Europa exportiert werden kann. Der italienische Energieriese ENI, Total aus Frankreich und das südkoreanische Unternehmen Kogas verhandeln schon über Genehmigungen für andere Offshore-Gebiete.

Nach Schätzungen der Analystin Fiona Mullen könnten allein die aktuelle Funde jährlich Einnahmen von mindestens einer Milliarde Euro bringen. Doch bei der Rückzahlung möglicher Finanzhilfen könnten die Einnahmen vermutlich noch nicht helfen: "Die Einnahmen werden ganz beträchtlich sein - wenn sie kommen. Aber ich denke, wer werden in den nächsten 15 Jahren noch keine bedeutenden Geldflüsse sehen", sagt Mullen.

Quelle: AFP