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Neue Strategie

Gasabhängigkeit: So will die EU gegensteuern

Angesichts der Ukraine-Krise und der starken Abhängigkeit von Importen muss die EU aus Sicht von Energiekommissar Günther Oettinger bei der Energiepolitik massiv gegensteuern. Bei Gesprächen in Brüssel wurden jetzt Vorschläge gemacht. So sollen Stresstests veranstaltet werden und der Bau von Flüssiggas-Terminals soll vorangetrieben werden.

Gas Tankwagen© Yuri Bizgaimer / Fotolia.com

Brüssel (AFP/red) - Die Union müsse ihre Infrastruktur verbessern, mehr Energie sparen und die eigenen Energiereserven besser ausbeuten, erklärte Oettinger am Mittwoch in Brüssel. Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte, die EU bleibe "verwundbar".

Das größte Problem der EU bei der Sicherheit der Energieversorgung ist laut Kommission das Gas. Die EU importiert rund zwei Drittel ihres Verbrauchs aus Drittstaaten. Zwar sind es beim Öl sogar rund 90 Prozent, aber beim Gas funktionieren die Märkte nicht so gut, wie Oettinger hervorhob. Das heißt etwa, dass ein Importeur nicht so leicht durch einen anderen ersetzt werden kann.

Ukraine-Krise macht Umdenken erforderlich

Um insbesondere die Abhängigkeit von Russland zu verringern, soll daher zum Beispiel der Bau von Terminals für Flüssiggas vorangetrieben werden. An solchen Stationen kann Erdgas umgeschlagen werden, das per Schiff etwa aus den Golfstaaten nach Europa transportiert wird. Die Flüssiggas-Terminals seien derzeit nicht ausgelastet, sagte Oettinger. Dazu sind laut Kommissionsangaben allein in den baltischen Staaten - die extrem von Russland abhängen - zwei neue Terminals in Planung oder im Bau.

Ausfall von Lieferungen simulieren

Die Kommission schlug außerdem Stresstests vor, um den Ausfall von Gaslieferungen zu simulieren. Anhand der Ergebnisse könnten Maßnahmen für Notfälle vorbereitet werden, etwa der zeitweilige Ersatz von Gas durch andere Energieträger, sofern dies technisch möglich ist. Bei Verhandlungen einzelner EU-Regierungen mit Drittländern über wichtige Energieabkommen sollte die Kommission nach Oettingers Vorstellungen künftig von Beginn an eingebunden sein, damit die Union "mit einer Stimme" spreche.

Beim Thema Energiesparen will die Kommission in den nächsten Wochen von den Regierungen vorgelegte Aktionspläne auswerten und im September eine neue Strategie vorschlagen. Oettinger deutete Energiesparziele für das Jahr 2030 an, nannte aber noch keine Zahlen. Ob die EU für das Energiesparen verbindliche Vorgaben festsetzen soll, ist sehr umstritten.

Greenpeace: Falsche Strategie

Greenpeace kritisierte die Strategie. Selbst wenn Europa sich von Russland unabhängiger mache, bleibe das Problem der Importabhängigkeit. Die EU solle sich stärker auf Energieeinsparungen und erneuerbare Energien konzentrieren, forderten die Umweltschützer. Angesichts der Ukraine-Krise und der starken Abhängigkeit von Importen muss die EU aus Sicht von Energiekommissar Günther Oettinger bei der Energiepolitik massiv gegensteuern.

Quelle: AFP