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Bericht

Gasag-Kunden haben möglicherweise zu viel bezahlt

Die Kunden der Gasag müssen sich dieses Jahr eventuell auf weitere Preissteigerungen gefasst machen. Gleichzeitig droht dem Konzern ein Image-Schaden, da die Kunden möglicherweise über Jahre viel zu hohe Gaspreise gezahlt haben. Zurzeit sei keine Anhebung der Tarife geplant, sagte Gasag-Vertriebsvorstand Andreas Prohl auf der Bilanzpressekonferenz.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Zuletzt hat die Gasag die Preise im Februar erhöht. Das Unternehmen hat dem Jahresbericht zufolge 2011 acht Prozent weniger Gas abgesetzt als im Vorjahr. Der Konzerngewinn sank gegenüber 2010 um 19,4 Millionen oder 25,3 Prozent auf 57,3 Millionen Euro. Seit 2006 hat die Gasag nach eigenen Angaben 100.000 Kunden verloren. Das sind 20 Prozent.

Gasag hat an Wettbewerbsfähigkeit verloren

Die Wettbewerbsfähigkeit der Gasag-Gruppe leide unter nicht marktgerechten Bezugskosten, die in langfristigen Lieferverträgen festgeschrieben seien, fügte Prohl hinzu. Dessen ungeachtet sagte der Manager: "Unsere Gaspreise waren und sind angemessen."

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte am Montag über mögliche illegale Preisabsprachen der Gasag-Miteigentümer und -Lieferanten E.on und Gaz de France Suez (GdF Suez) berichtet. Den beiden Energiekonzernen wird vorgeworfen, sie hätten sich 1999 über die "Aufteilung" des Gasbedarfs der Gasag geeinigt. Der Preis für die Gaslieferungen an den Versorger sei für 20 Jahre an den Ölpreis gekoppelt worden. Dadurch sei der Gasag allein zwischen 2008 und 2011 ein Schaden von rund 110 Millionen Euro entstanden. Dem Magazinbericht zufolge haben möglicherweise die rund 700.000 Gasag-Kunden über Jahre viel zu hohe Preise bezahlt.

Seit 2005 veränderte sich der Gas-Weltmarkt radikal durch riesige Fördermengen aus neuen Quellen, die die Preise zum Purzeln brachten. Die Gasag verlor wegen ihrer Verträge darauf ihre Wettbewerbsfähigkeit und klagte schließlich gegen E.on und GdF Suez, wie das Magazin weiter berichtete.

SPD-Politiker nennt Vorwürfe "schwerwiegend"

Die beiden Konzerne weisen laut "Spiegel" den Vorwurf eines wettbewerbswidrigen Kartells zurück. Ende vergangenen Jahres schloss die Gasag einen Vergleich mit GdF Suez. Dagegen klagte der ehemalige Gasag-Aufsichtsratschef Karl Kauermann. Die Verhandlung soll Anfang Mai am Berliner Landgericht beginnen. Zu dem Verfahren wolle sich das Unternehmen derzeit nicht äußern, sagte der kaufmännische Vorstand Olaf Czernomoriez.

Der energiepolitische Sprecher der Berliner SPD, Daniel Buchholz, hatte die Vorwürfe bereits Anfang der Woche als "schwerwiegend" bezeichnet. Sollte sich herausstellen, dass an E.on und GdF Suez tatsächlich ein dreistelliger Millionenbetrag zu viel gezahlt wurde, hätten die Kunden ein Recht auf Erstattung, sagte er.