Startseite
Preisdruck

Gasanbieter mit langfristigen Verträgen im Nachteil

Das Überangebot an Gas in Europa und damit der Druck auf die Preise wird nach Einschätzung des größten deutschen Gasimporteurs E.ON Ruhrgas noch einige Jahre anhalten. Gasanbieter, die in langfristigen Verträgen stecken, müssen überlegen, wie sie weiterhin wettbewerbsfähig bleiben.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Essen (dapd/red) - An den Großhandelsmärkten führte das Überangebot in den vergangenen zwei Jahren laut E.ON Ruhrgas bereits zu einem Preisrückgang von 70 Prozent. Allerdings profitierten die deutschen Verbraucher bislang nur begrenzt davon. Ausgelöst wurde die Entwicklung durch die aufgrund der Wirtschaftskrise gesunkene Nachfrage, aber auch durch neue ergiebige Fördertechniken.

Problematisch: Langfristige Vertragsbindung

Für E.ON Ruhrgas ist die Entwicklung vor allem deshalb problematisch, weil der Konzern langfristige Lieferverträge mit Gasförderländern wie Russland oder Norwegen abgeschlossen hat, in denen der Gaspreis an den Mineralölpreis gekoppelt ist. Der Ölpreis sank jedoch deutlich weniger als der Gaspreis. E.ON Ruhrgas befürchtet deshalb im kommenden Jahr nach eigenen Angaben Verluste von bis zu einer Milliarde Euro. Wettbewerber ohne eine derartige Vertragsbindung können dagegen von niedrigeren Preisen auf dem freien Markt profitieren und an Kunden weitergeben, die mit einem Gastarifrechner das Sparpotenzial durch einen Anbieterwechsel ermitteln können. Diese Problematik betrifft auch andere Konzernen.

Strategien: Nachbesserung und Eigenförderung

Zurzeit verhandelt E.ON Ruhrgas mit den Gasproduzenten über Nachbesserungen der Verträge. In Märkten wie Spanien, Frankreich und Großbritannien will der Konzern zudem künftig verstärkt Möglichkeiten der kurzfristigen Gasbeschaffung nutzen und setzt dabei auf den Einsatz von Flüssiggas. Gleichzeitig baut er die eigene Förderung weiter aus. Für das laufende Jahr rechnet der Essener Konzern mit einer Steigerung des eigenen Gasabsatzes gegenüber dem Krisenjahr 2009.