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Energiekrise droht

Gasschulden: Putin setzt Ukraine ein Ultimatum

Wladimir Putin hat die Ukraine erneut dazu aufgefordert, mit der Rückzahlung der Milliardenschulden für Gaslieferungen zu beginnen. Der Kremlchef hatte in diesem Zusammenhang bereits am Donnerstag insgesamt 18 Staaten vor einer Energiekrise gewarnt. Auch Energiekommissar Oettinger warnt vor Versorgungsengpässen.

Russland© Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Moskau (dpa/red) - Putin hat die Ukraine erneut aufgefordert, ihre Milliardenschulden für russische Gaslieferungen in spätestens einem Monat zu bezahlen. "Wir können nicht ewig warten", sagte der russische Präsident am Samstag dem Staatsfernsehen. Russland könne nicht dauerhaft den Unterhalt für ein "45-Millionen-Volk" bezahlen. Es seien Schulden von 2,2 Milliarden US-Dollar aufgelaufen.

Putin wiederholte seine Ankündigung vom Donnerstag, dass Russland noch einen Monat auf das Geld warte. Sonst gebe es Gas dann nur noch gegen Vorkasse.

Warnung vor Energiekrise

Der Kremlchef hatte in einem Brief an 18 europäische Gas-Abnehmerstaaten vor einer möglichen neuen Energiekrise gewarnt. Zwar versicherte er, dass Russland seine Gaslieferungen durch die Ukraine als wichtigstes EU-Transitland garantiere. Allerdings sehen die Russen die Gefahr, dass die vor dem Staatsbankrott stehende Ex-Sowjetrepublik das für den Westen bestimmt Gas für den eigenen Bedarf abzapfen könnte. Das hatte bei "Gas-Kriegen" zwischen Moskau und Kiew in der Vergangenheit auch zu Engpässen in der EU geführt.

Nach Angaben des Kremlsprechers Dmitri Peskow gibt es inzwischen eine "wohlgesonnene" Antwort von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf Putins Brief. Unklar sei aber, warum Barroso, der weder angeschrieben noch Gaskunde sei, geantwortet habe, sagte Peskow.

Oettinger warnt vor Gasengpässen

Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat vor möglichen Folgen der Ukraine-Krise für die Gasversorgung in Europa gewarnt. Es gehe jetzt darum, "eine Gaskrise zu vermeiden und Versorgungssicherheit für den nächsten Winter zu gewährleisten", sagte Oettinger der "Welt am Sonntag".

"Wenn wir Kiew nicht in die Lage versetzen, offene Gasrechnungen von mehr als zwei Milliarden Dollar zu bezahlen, besteht die Gefahr, dass Russland die Ukraine nicht mehr versorgt." Und weil die Ukraine das wichtigste Transitland nach Europa sei, könne es "zu einem schwer kontrollierbaren Prozess kommen, der auch Deutschland betrifft". Oettinger forderte die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, eine Energiestrategie für die nächsten Jahrzehnte zu entwerfen.

Tragende Rolle der Atomkraft

Oettinger sprach sich dagegen aus, die Gasbeziehungen zu Russland in den nächsten Jahren zurückzufahren oder gar abzubrechen. Die russischen Partner "wollen liefern". Dennoch müsse die "Strategie der Diversifikation" fortgesetzt werden. Norwegen und Algerien seien ebenfalls wichtige Lieferländer. Die Atomkraft wird nach Einschätzung Oettingers in Europa weiter eine tragende Rolle spielen. "Ich denke, der Anteil der Kernkraft an der europäischen Stromproduktion wird noch Jahrzehnte bei 25 Prozent bleiben", sagte er voraus. Andere EU-Staaten bauten neue Kernkraftwerke oder verlängerten die Laufzeiten ihrer Meiler.

Quelle: DPA