Startseite
Gastransfer

Gazprom-Chef: Kapitel South Stream abgeschlossen

Alexej Miller, Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom, hat das Pipeline-Projekt South Stream endgültig für tot erklärt. Russland will sein Gas künftig an der Ukraine vorbeileiten. Der EU rät Miller, die Infrastruktur vorzubereiten, um Gas aus der Pipeline "Turkish Stream" zu beziehen.

Erdgaspipline© Alexander Tarasov / Fotolia.com

Moskau (AFP/dpa-AFX/red) - Das Kapitel South Stream sei für Gazprom endgültig abgeschlossen, sagte der Präsident des russischen Gaskonzern, Alexej Miller, in Moskau. "Nun ist Turkish Stream auf der Tagesordnung", sagte Miller laut einem Bericht der Nachrichtenagentur BGNES. EU-Energiekommissar Maros Sefcovic war am Mittwoch in Moskau, um sich Klarheit über die Zukunft der Erdgaspipeline South Stream zu verschaffen.

Transit-Risiken für die EU

Der Europäischen Union drohen nach Einschätzung des russischen Energieriesen in diesem Winter weiterhin Störungen bei Gaslieferungen durch die Ukraine. Die "Transit-Risiken" bestünden weiter, erklärte Miller nach einem Gespräch mit Sefcovic. Die Ukraine habe wegen ihrer finanziellen Schwierigkeiten im November und im Dezember nicht das nötige Volumen Gas von Russland kaufen können und ihre eigenen Reserven deutlich reduziert.

Versorgungsengpässe drohen

Versorgungsengpässe in Europa können unter anderem entstehen, wenn die Ukraine für die EU bestimmtes Gas aus den russischen Lieferungen abzweigt, aber auch wenn sich die Ukraine aus ihren eigenen Gasspeichern bedient. In diesen müssen nämlich gewisse Mengen an Gas vorhanden sein, um Schwankungen beim Transit auszugleichen. Diverse Streitigkeiten um Gaslieferungen zwischen Russland und der Ukraine haben in der Vergangenheit bereits Lieferungen nach Europa gestört.

Turkish Stream soll's richten

Angesichts des zerrütteten Verhältnisses zwischen beiden Ländern will Russland sein Gas künftig an der Ukraine vorbei nach Europa leiten. Die Pipeline Turkish Stream sei dabei nach ihrer Fertigstellung der "einzige Weg", betonte Gazprom-Chef Miller. "Es gibt keine andere Möglichkeit." Miller legte der EU nahe, die entsprechende Infrastruktur vorzubereiten, um Gas aus der neuen Pipeline zu beziehen. Die Zeit dränge, so Miller.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Anfang Dezember überraschend die bisher als Route nach Europa geplante Pipeline South Stream für gescheitert erklärt. Auch sie sollte wie Turkish Stream die Ukraine umgehen, allerdings war das Milliardenprojekt vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise zum umkämpften Faustpfand zwischen Russland und der EU geworden.

Quelle: AFP