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Krim-Krise

Gazprom sichert sich deutschen Gasspeicher

Während die Krim-Krise die Medien beschäftigt, erlangt der russische Energiekonzern Gazprom weitere Erdgasspeicherkapazitäten in Deutschland. Der Handelsverband BGA weiß um die engen Verflechtungen, was die deutsche und russische Wirtschaft angeht und warnt vor den schweren Konsequenzen, falls es zu Sanktionen gegen Moskau kommen sollte.

Russland© Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Deutschlands Wirtschaft hätte nach Ansicht des Handelsverbands BGA bei Sanktionen gegen Russland im Zuge der Krim-Krise viel zu verlieren. Das Land sei zwar ein schwieriger Handelspartner, aber ohne Russland gehe es auch nicht, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, am Mittwoch in Berlin. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fürchtet die Auswirkungen möglicher Sanktionen. Derweil weitet Gazprom seine Aktivitäten auf dem deutschen Markt aus.

Bilaterale Verflechtungen

Börner sagte, die deutsche und die russische Wirtschaft seien eng verflochten. Insgesamt handelten 6.200 deutsche Unternehmen mit Russland oder hätten dort investiert. Das bilaterale Handelsvolumen liege bei über 76 Milliarden Euro, Deutschland exportiere Waren im Wert von 36 Millionen Euro nach Russland. Dies seien vor allem hochwertige Konsumgüter, Maschinen und Anlagen. Aus Russland importiere Deutschland vor allem Energie und Rohstoffe.

Schwere Folgen bei Sanktionen

Falls es im Zuge der Krim-Krise zu europäischen Sanktionen gegen Russland kommt, könnte das zurzeit in der Staatsduma diskutierte Gesetz zur Enteignung ausländischer Unternehmen beschlossen werden, sagte Börner. Dies könnte zu einem schweren Schlag für die westliche Wirtschaft werden. Umgekehrt würde Russland einen "nicht wieder gut zu machenden Vertrauensverlust erleiden und Investoren dauerhaft abschrecken". Bei einem Importstopp von russischem Gas würden laut Börner die Kosten für die deutschen Verbraucher deutlich steigen.

Wichtiger Zielmarkt

Auch DIHK-Geschäftsführer Klaus Olbricht befürchtet schwere Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen. "Umfassende Exportbeschränkungen würden an der Substanz zehren", sagte Olbricht der Zeitschrift "Superillu". Russland gehöre zu den wichtigsten Zielmärkten für deutsche Unternehmen.

Zu möglichen Finanzsanktionen sagte BGA-Präsident Börner, russische Eliten könnten davon stark getroffen werden. Fraglich sei jedoch, ob Großbritannien und Luxemburg bei einem Vorstoß der EU zum Einfrieren von Konten mitziehen würden. Dort gebe es große Sorgen um die Finanzplätze.

Deutsche Speicher gehen an Gazprom

Derweil engagiert sich der russische Energiekonzern Gazprom verstärkt auf dem deutschen Markt. Ab Mitte des Jahres könnte ein Fünftel der Erdgasspeicherkapazitäten in Deutschland zum russischen Staatskonzern gehören.

Tauschvertrag mit BASF-Tochter

In einem Tauschgeschäft mit der BASF-Tochter Wintershall wird der Staatskonzern seine Beteiligung am Erdgasspeicher im niedersächsischen Rehden auf 100 Prozent aufstocken. "Der Vollzug der Transaktion wird Mitte 2014 erwartet", sagte ein Wintershall-Sprecher am Mittwoch auf AFP-Anfrage. Im Gegenzug erhält Wintershall Zugang zu einem sibirischen Erdgasfeld.

Der Tauschvertrag war bereits am 23. Dezember 2013 unterzeichnet worden. Zuvor hatten das Bundeswirtschaftsministerium und die EU-Kommission zugestimmt. Gazprom wird demnach auch die 50-prozentige Wintershall-Beteiligung am Gashändler Wingas übernehmen. Wingas hat eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von 20 Prozent im deutschen Erdgashandel.

Quelle: AFP