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Kooperation

Gazprom und RWE wollen gemeinsam Kraftwerke bauen

Gazprom und RWE haben eine Zusammenarbeit vereinbart. Gemeinsam wollen sie Gas- und Kohlekraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern bauen und betreiben. Für die nächsten drei Monate ist RWE damit der exklusive Gesprächspartner der Russen.

Gaspreise© photoGrapHie / Fotolia.com

Essen (afp/dapd/red) - Der Energiekonzern RWE verkauft zudem sein Stromnetz in Deutschland, um Geld in seine Kassen zu spülen. In den kommenden drei Monaten soll nun darüber verhandelt werden, wie bestehende oder neu zu errichtende Anlagen in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden könnten, teilte RWE mit. Für diese Zeit sei RWE der exklusive Gesprächspartner der Russen.

RWE kann jetzt exklusiv mit Gazprom verhandeln

Über eine Zusammenarbeit von Gazprom und RWE war bereits in den vergangenen Tagen spekuliert worden. RWE benötigt nach dem Beschluss zum Atomausstieg frisches Geld, das zum Teil von Gazprom kommen könnte. Gazprom, bereits jetzt der wichtigste Gaslieferant Deutschlands, hat seinerseits seit langem Interesse an einem stärkeren Engagement hierzulande. Erst Ende Juni hatte das Unternehmen Deutschland wegen des Atomausstiegs als den "attraktivsten Markt" bezeichnet.

RWE-Chef Jürgen Großmann und Gazprom-Chef Alexej Miller unterzeichneten den Angaben zufolge in Rom ein sogenanntes Memorandum of Understanding. Ein solches Dokument legt die Eckpunkte eines noch abzuschließenden Vertrages fest. Die kommenden drei Monate könne RWE nun exklusiv mit Gazprom verhandeln. Gazprom-Chef Miller hatte in den vergangenen Wochen mit den Chefs fast aller großen europäischen Energiekonzerne verhandelt, darunter auch mit den Chefs von E.ON, Johannes Teyssen, und des französischen Energieriesen GDF Suez, Gerard Mestrallet.

Gazprom sucht Beteiligung am westeuropäischen Markt

Der Hintergrund: Gazprom will sich nicht länger auf die Rolle des Gaslieferanten beschränken, sondern sucht nach Möglichkeiten weitere Schritte der Wertschöpfungskette zu besetzen - etwa durch eigene Kraftwerke in Westeuropa. Der Gazprom-Chef erklärte, er sehe angesichts des Atomausstiegs "gute Chancen" für den Bau neuer moderner Gaskraftwerke in Deutschland. RWE hatte vor zwei Wochen noch genau das Gegenteil erklärt: Strategievorstand Leonhard Birnbaum sagte damals, RWE sehe keine Chancen für neue Gaskraftwerke hierzulande.

RWE-Chef Großmann wies nun vor allem auf die "sichere und wettbewerbsfähige Gasversorgung" hin, die durch eine Vereinbarung mit Gazprom garantiert sei. Die Zusammenarbeit könne zudem "zu erfolgreichen Wachstumsoptionen führen". Der "Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, Großmann erwäge gar eine strategische Beteiligung von Gazprom an RWE oder an Töchtern des Konzerns.

Kartellamt beurteilt die Kooperation skeptisch

Das Kartellamt, das die Allianz prüfen muss, beurteilt eine Zusammenarbeit allerdings skeptisch: Eine Verbindung zwischen RWE und Gazprom "müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten genau ansehen", hatte Kartellamtspräsident Andreas Mundt bereits am Dienstag gesagt. Gazprom beliefert bereits Töchter von RWE und Eon mit Gas und hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit BASF, Wingas.

Für einen großen Teil des RWE-Stromnetzes zahlt eine Gruppe von Finanzinvestoren knapp eine Milliarde Euro. Die Investoren kaufen laut Unternehmensangaben 74,9 Prozent der Anteile an der RWE-Netztochter Amprion. Die Firma betreibt das mit 11.000 Kilometern nach Unternehmensangaben längste Höchstspannungsnetz in Deutschland.

RWE behält damit einen Minderheitsanteil von 25,1 Prozent. Zusätzlich beteiligt sich der Energiekonzern zunächst mit 14,5 Prozent an dem Käuferkonsortium und hält so indirekt weitere 10,8 Prozent an dem Netz - ingesamt also fast 36 Prozent. Verbraucherschützer fordern seit Jahren die Trennung der Energienetze von den Energieproduzenten, weil sie sich davon niedrigere Preise für die Kunden versprechen.