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Algerien

Geiselnahme auf Gasfeld endet blutig (Upd.)

Die seit Mittwoch andauernde Geiselnahme durch islamistische Terroristen wurde am Samstag durch das algerische Militär beendet. 80 Tote, darunter 35 Islamisten, seien zu beklagen. Alle Geiseln seien ums Leben gekommen, wird berichtet. Die Terroristen hatten offenbar während eines Schichtwechsels angegriffen und den Angriff monatelang akribisch vorbereitet.

Gasflamme© klikk / Fotolia.com

Paris (AFP/red) - Die Gasanlage Tiguentourine in Algerien, die seit Mittwoch Schauplatz einer blutigen Geiselnahme durch Islamisten war, liegt rund 40 Kilometer von der Stadt In Aménas im Osten des Landes nahe der libyschen Grenze entfernt. Nach Angaben der Entführer seien bereits am Donnerstag bei einem Angriff des algerischen Militärs 35 Geiseln und 15 Terroristen ums Leben gekommen. Einer mutmaßlich dreistelligen Zahl von Arbeitern soll jedoch die Flucht gelungen sein. Am Freitagnachmittag hieß es, nur noch sieben Ausländer seien in der Gewalt der Entführer. Eine offizielle Bestätigung für alle genannten Zahlen gibt es nicht.

Unter den Geiseln befanden sich nach Angaben der islamistischen Kidnapper anfangs rund 40 Ausländer. Für BP arbeiten rund 20 Ausländer, Statoil hatte zum Zeitpunkt des Angriffs 17 Angestellte, von denen offenbar zwölf von der Geiselnahme betroffen waren. Die algerische Armee ging zunächst am Donnerstag gegen die Geiselnehmer vor. Nach Regierungsangaben wurden bei der ersten Aktion mehrere Geiseln befreit, es gab aber schon an diesem Tag Tote und Verletzte.

Die Anlage liegt mitten in der Wüste

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

In dem Gebiet liegen vier Gasfelder, der Komplex ist über drei Pipelines mit dem algerischen Gasversorgungsnetz verbunden. Das Gelände beherbergt außerdem Unterkünfte für die Arbeiter sowie ein Sicherheitscamp in einem abgesperrten Bereich. Die Angreifer waren offenbar mit einer Überrumpelungstaktik erfolgreich, denn die Anlage wurde nach Zeugenaussagen auch vom Militär bewacht.

Liefermenge ist wegen der Geiselnahme abgesunken

Die Gasanlage bei In Aménas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Für gewöhnlich werden am Tag 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt. Wegen der Massengeiselnahme sank die Lieferung vorübergehend um rund 17 Prozent, wie die Gasgesellschaft Snam mitteilte. Die Kidnapper protestierten mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben gegen den Militäreinsatz im benachbarten Mali.

Quelle: AFP