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Diskussion

Giftstoffe beim Fracking sollen ersetzt werden

Beim Fracking sollen künftig weniger hochgiftige Stoffe verwendet werden. Für die bei der Gasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten benötigte Flüssigkeit wird nach Angaben von ExxonMobil nach Alternativen zu den bislang genutzten Chemikalien gesucht.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Osnabrück (dapd-nrd/red) - Experten aus der Erdgasindustrie und der Wissenschaft diskutierten am Montag in Osnabrück auf einer Informationsveranstaltung über die umstrittene Fördermethode.

Der nach den öffentlichen Protesten in Nordrhein-Westfalen und in Teilen Niedersachsen von ExxonMobil ins Leben gerufene Expertenkreis zur Risikobewertung von Fracking präsentierte erste Daten über die Gefährlichkeit der Chemikalien. Eine Auswertung der Toxizität von knapp 120 Stoffen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland beim Fracking eingesetzt wurden, soll folgen. In den USA liegt die Zahl der verwendeten Stoffe den Angaben zufolge bei etwa 600.

Auf der Suche nach Ersatz für Biozide und Formaldehyd

Als besonders giftig stuft das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Biozide, Erdöldestilate und Stoffe wie Formaldehyd oder Dichlorophen ein. Die Wissenschaftlerin Mechthild Schmitt-Jansen vom Helmholtz-Zentrum, die dem Expertengremium angehört, nannte es einen Erfolg des Dialogprozesses, dass ExxonMobil Formaldehyd künftig nicht mehr verwenden wolle.

Der Bohrexperte des Konzerns, Dieter Sieber, sagte, es werde immer wieder nach ungefährlicheren Stoffen Ausschau gehalten. Da Biozide, die beim Fracking in geringen Anteilen in den Boden gepresst werden, in die Kritik geraten seien, suche man nach anderen Möglichkeiten zur Wasserdesinfektion. Tests mit UV-Strahlung seien aber noch nicht ausgereift.

Ein Kritiker fragte, wie sichergestellt werden könne, dass die von der Erdgasindustrie gelieferten Daten tatsächlich alle verwendeten Stoffe enthielten. Ulrich Ewers vom Hygiene-Institut des Ruhrgebiets sagte, man müsse sich auf die Daten verlassen, die ExxonMobil zur Verfügung stelle.

Maßnahmenkatalog für den "Worst Case"

Ewers erklärte, dass Menschen mit der Fracking-Flüssigkeit eigentlich gar nicht in Berührung kämen. "Es sei denn, es kommt zum Worst Case", sagte er. Für genau diesen Extremfall entwickelte der Expertenkreis Szenarien, mit deren Hilfe analysiert werden soll, welche Schäden dann eintreten können. Daraus soll ein Maßnahmenkatalog erarbeitet werden, um Umweltschäden zu verhindern.

Eine Forderung der Wissenschaftler lautet, nur Flüssigkeiten mit geringer Wasserschädlichkeit und hoher Abbaubarkeit einzusetzen. Der Leiter des Expertengremiums, Dietrich Borchardt vom Helmhotz-Zentrum, sagte: "Wir entwickeln Kriterien für Stoffe und Stoffgemische, die aus unserer Sicht beim Fracking eingesetzt werden dürfen - und für Stoffe, die man nicht einsetzen sollte."

Ohne Gutachten keine Bohrungen in NRW

Im Januar 2012 will der Expertenkreis in die USA reisen, um dort seine Erkenntnisse mit amerikanischen Experten zu diskutieren. Im März soll die "Risikostudie Fracking" fertiggestellt werden. Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung gab ein solches Gutachten in Auftrag. Bis die Studie vorliegt, dürfen dort keine neuen Bohrungen niedergebracht werden.