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Kostspielig

Grüne kritisieren Entlastungen für Erdgasbohrungen

Die niedersächsische Landesregierung gewährt der Erdgasindustrie seit Jahresbeginn eine finanzielle Entlastung bei der kostspieligen Suche nach Ressourcen. Die Grünen-Fraktion im Landtag wittert dahinter eine "dreiste Subventionierung" der Energiekonzerne und will den Wirtschaftsminister zur Rede stellen.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Hannover (dapd-nrd/red) - Die Oppositionsfraktion kritisierte in einer am Donnerstag in Hannover veröffentlichten kleinen Anfrage an die Landesregierung, dass Unternehmen ihre Gas- und Öl-Förderabgabe bei nicht erfolgreichen Erkundungsbohrungen um bis zu zwei Millionen Euro verringern dürfen. Möglich macht dies eine Anfang des Jahres in Kraft getretene Verordnung zur Erdgasförderung.

Teure Erkundungsbohrungen oft erfolglos

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Verordnung solle im Zuge der Energiewende Maßnahmen der Energiekonzerne zur Aufsuchung von Erdgas im Land fördern. Eine Erkundungsbohrung koste bis zu 15 Millionen Euro, und oft bleibe die Suche erfolglos. Deshalb können die Konzerne für jeden Bohrmeter eines erfolglosen Bohrversuchs ab 2.000 Metern Tiefe 800 Euro von den fälligen Förderabgaben abziehen. Der Höchstbetrag liegt bei zwei Millionen Euro. Damit will das Ministerium besonders solche Bohrversuche unterstützen, die in tiefen Gesteinsschichten nach dem fossilen Energieträger suchen, in denen kein Grundwasser gefährdet ist.

Global tätige Konzerne sollen gehalten werden

Aus Niedersachsen kommen mehr als 90 Prozent des in Deutschland geförderten und 10 bis 13 Prozent des hierzulande verbrauchten Erdgases. Die Ministeriumssprecherin begründete die Unterstützung der global operierenden Konzerne auch damit, dass diese anderswo billiger und mit geringeren Umweltauflagen bohren könnten. Die Grünen bemängelten zudem, dass in diesem Jahr auf Erdgas, das aus Tonschichten gefördert werde, keine Förderabgabe mehr erhoben wird. Bei Gewinnung von Erdgas aus diesen Schichten kommt das umstrittene Fracking-Verfahren zum Einsatz, bei dem Chemikalien in den Boden gepresst werden.

Das Ministerium bestätigte die Streichung, verwies aber auf geringe Summen von etwa 1.000 Euro, auf die dadurch verzichtet werde. Das Geld aus den Förderabgaben fließt den Angaben zufolge fast ausschließlich in den Länderfinanzausgleich.