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Weltklimabericht

IPCC: Sofortiges Handeln gegen Erderwärmung notwendig

Für das Weltklima stehen die Karten schlecht, wenn nicht sofort und entschlossen gehandelt wird. Das ist eine der wichtigsten Aussagen des 5. Teils des Weltklimaberichts. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass bei sofortiger Reduzierung der Treibhausgase die Erderwärmung um vier Grad Celsius verhindert werden kann - und zwar noch vergleichsweise günstig.

Umweltschutz© chuck / Fotolia.com

Kopenhagen (AFP/red) – Dem Weltklima droht ohne sofortiges entschlossenes Handeln eine tiefgreifende und nicht mehr umkehrbare Veränderung - doch noch sind die Kosten für die notwendigen Gegenmaßnahmen begrenzt: Dies ist die Kernbotschaft des Abschlussberichts des Weltklimarats IPCC, der am Sonntag in Kopenhagen vorgestellt wurde. Die Bundesregierung nannte den Bericht "alarmierend und ermutigend zugleich", während US-Außenminister John Kerry davor warnte, die Erkenntnisse der Wissenschaftler zu ignorieren.

Treibhausgase auf höchstem Wert seit 800.000 Jahren

Die Konzentration von Treibhausgase in der Atmosphäre sei auf dem höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren, warnte der IPCC in seinem sogenannten Synthesebericht, der die Ergebnisse der drei vorherigen Teilberichte zusammenfasst. Nach den Erkenntnissen des Expertengremiums hat sich die Oberflächentemperatur zwischen 1880 und 2012 um 0,85 Grad erhöht, während der Meeresspiegel zwischen 1901 und 2010 um 19 Zentimeter stieg.

Reduzierung klimaschädlicher Gase

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel seien klarer denn je zuvor, sagte der IPCC-Vorsitzende Rachendra Pachauri. Es bleibe nur noch wenig Zeit, um die Chance zu nutzen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu halten. Sollte der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen nicht drastisch reduziert werden, drohe eine Erwärmung um bis zu vier Grad, was die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Stürme, Hitzeperioden und Überschwemmungen zur Folge hätte.

Notwendig sei eine Reduzierung des Ausstoßes der Treibhausgase wie Kohlendioxid um 40 bis 70 Prozent zwischen 2010 und 2050 und auf Null bis 2100, erklärte das unabhängige Gremium, das Experten aus 195 Ländern vereint.

Dafür müsse von fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle auf Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind und Wasser umgeschwenkt werden und der Energieverbrauch deutlich reduziert werden.

Kosten steigen rasch

Nach den Berechnungen des IPCC würde das globale Wachstum von den Kosten zur Reduzierung der CO2-Emissionen nicht "stark betroffen". Selbst "ehrgeizige" Maßnahmen würden demnach nur jährlich 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums im 21. Jahrhundert kosten, wobei mit einem jährlichen Wachstum zwischen 1,6 und drei Prozent gerechnet wird. Sollte dagegen nicht rasch etwas unternommen werden, würden die Kosten stark ansteigen.

Handlungsempfehlungen der Regierungen

Der Synthesebericht fasst die drei Teilberichte zusammen, die zwischen September 2013 und April 2014 vom IPCC vorgelegt worden waren. Er schließt damit den fünften Sachstandsbericht ab - den ersten umfassenden Bericht zur Klimaveränderung seit 2007. Die Berichte, die von mehr als 800 Experten aus aller Welt auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien erstellt wurden, sollen den Regierungen als Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung des Klimawandels dienen.

Klimaabkommen in Paris

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nannte den Bericht "alarmierend und ermutigend zugleich". "Alarmierend sind die dramatischen Folgen des Klimawandels, an dessen Ursachen es keinen ernsthaften Zweifel mehr gibt. Ermutigend ist dagegen: Wir kennen die Werkzeuge, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen", erklärte Hendricks. Es müsse alles daran gesetzt werden, 2015 in Paris ein ambitioniertes Klimaabkommen zu verabschieden.

Grünen: Klarer Handlungsauftrag

Frankreich, das im Dezember 2015 den globalen Klimagipfel in Paris ausrichtet, forderte eine "sofortige, allgemeine Mobilisierung", um in Paris "eine politische Antwort" auf die Erkenntnisse der Wissenschaft zu finden.

US-Außenminister Kerry warnte davor, die Erkenntnisse in dem Bericht zu ignorieren oder zu bestreiten. "Je länger wir in einer Debatte über Ideologie und Politik feststecken, umso mehr werden die Kosten der Tatenlosigkeit steigen und steigen."

Die Umweltorganisation Germanwatch forderte ein weltweites Ende der Kohleverstromung, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Greenpeace erklärte, der Bericht zeige, dass ein Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien technisch und wirtschaftlich möglich sei. Die Grünen erklärten, der Bericht sei ein "klarer Handlungsauftrag an die Politik" und müsse an die "Tür des Kanzleramts" genagelt werden.

Quelle: AFP