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Umstritten

Japan birgt erstmals Methanhydrat aus der Tiefsee

Wer Frank Schätzings Bestseller "Der Schwarm" gelesen hat, wird mit Methanhydraten sofort etwas anfangen können. Anders als Schätzing (und viele Wissenschaftler) setzen japanische Forscher nach der Abschaltung fast aller Atomkraftwerke infolge der Katastrophe von Fukushima nun auf Energiequellen aus der Tiefe des Meeres.

Thermometer© Laurent / Fotolia.com

Tokio (AFP/red) - Japanischen Forschern gelang es am Mittwoch nach eigenen Angaben erstmals, Methanhydrat aus dem Meeresboden etwa 80 Kilometer vor der Küste der zentralen Provinz Aichi auf der Hauptinsel Honshu zu bergen. Schätzungen zufolge könnte sich Japan von den Methanhydrat-Vorräten vor seinen Küsten mehr als ein Jahrhundert lang mit Energie versorgen. Die Förderung des Gases ist allerdings sehr schwierig und kostspielig.

Warum es "Brennendes Eis" genannt wird

Methanhydrat ist in gefrorenem Wasser eingelagertes Methan, wegen seines Aussehens wird es auch "brennendes Eis" genannt. In Methanhydrat ist sind die Gasmoleküle durch den Druck unter dem Seeboden viel dichter gepackt, die Energieausbeute eines Kubikmeters Methanhydrat ist deshalb Schätzungen zufolge ein Vielfaches höher als von gasförmigem Methan derselben Menge.

Gas wird aus den Sedimenten herausgepresst

Nach Angaben von Industrieminister Toshimitsu Motegi wurde der Test vor der Küste von Aichi jahrelang vorbereitet. Am Mittwoch gelang es den Forschern dann, vier Stunden lang Gas zu extrahieren, dass einen Kilometer unter dem Meeresspiegel 330 Meter tief im Meeresboden lagerte. Ziel ist es in dem ersten Test, zwei Wochen lang Gas zu fördern. Dabei wird eine Technik eingesetzt, die sich den in großer Tiefe herrschenden Druck zunutze macht, um das Gas aus den unterseeischen Sedimenten zu pressen. "Wir wollen die Technik sicherer machen, um zu die Vorräte kommerziell abbauen zu können", sagte Motegi.

Auf der Suche nach einer neuen Energiequelle

Trotz der extrem schwierigen Förderbedingungen strebt Japan nach Angaben des zuständigen Konsortiums an, Methanhydrat ab 2018 kommerziell zu fördern. Japan muss derzeit 95 Prozent seines Energiebedarfs importieren.

Bekannt wurde Methanhydrat auch durch den Roman "Der Schwarm" des deutschen Autors Frank Schätzing, der in dem Zukunftsszenario mögliche katastrophale Folgen der Förderung aus der Meerestiefe beschreibt. Auch Wissenschaftler fürchten, dass ein großflächiger Abbau der Gashydrate das Abrutschen von Küstenhängen in der Meerestiefe zur Folge haben könnte.

Quelle: AFP