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Klimaschutz

Klimadialog: Deutschland erhöht die Einsätze

Der Petersberger Klimadialog galt als Zwischenetappe auf dem Weg zu dem Klimaabkommen in Paris im Dezember dieses Jahres. Bisher reichen die Ziele zur Senkung des CO2-Ausstoßes nicht aus, um eine Erderwärmung auf bis zu maximal zwei Grad zu begrenzen, sagen Experten. War das Treffen ein Erfolg?

Umweltschutz© chuck / Fotolia.com

Berlin (AFP/dpa/red) - Vertreter von rund 35 Staaten haben am Montag und Dienstag beim Petersberger Klimadialog in Berlin über Strategien im Kampf gegen die Erderwärmung beraten, zuletzt auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident François Hollande. Ziel der informellen Gespräche war die Vorbereitung der UN-Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris, auf der ein weltweites, verbindliches Klimaschutzabkommen abgeschlossen werden soll.

Was waren die Themen auf dem Petersberger Klimadialog?

Die Themen auf dem Petersberger Klimadialog waren dieselben, die im Dezember auch auf der UN-Klimakonferenz in Paris im Mittelpunkt stehen dürften: Minderung der Treibhausgas-Emissionen, Anpassung an Klimafolgen und finanzielle Hilfen für ärmere Länder, damit sie beides bewältigen können. Diskutiert wurde auch über Regeln, um Anstrengungen beim Klimaschutz messen und vergleichen zu können.

Für das in Paris geplante neue Klimaabkommen sollen alle Staaten baldmöglichst freiwillige Angebote vorlegen, um wie viel und bis wann sie ihren CO2-Ausstoß vermindern wollen. Auch soll es auf der UN-Konferenz um Verfahren gehen, um diese Angebote später zu überprüfen und ehrgeiziger zu gestalten. Zudem ist vorgesehen, dass ab 2020 ärmeren Ländern jährlich 100 Milliarden Dollar für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels und zur Emissionsminderung zur Verfügung gestellt werden.

Mit bisherigen Zielen kann Erderwärmung nicht verhindert werden

Bislang haben erst knapp 40 Staaten Angebote zur Emissionsminderung abgegeben. Auch reichen die zu erwartenden Angebote nach Einschätzung von Experten nicht aus, um die Erderwärmung wie angestrebt auf 1,5 bis zwei Grad zu begrenzen. Zwar liegt ein Textentwurf als Verhandlungsgrundlage vor, darin sind jedoch noch viele strittige Passagen. Unklar ist auch, wie die den Entwicklungsländern bereits zugesagten jährlich 100 Milliarden Dollar zusammenkommen sollen.

Gab es Fortschritte bei dem Klimadialog?

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sprach in Berlin von einem Testlauf, der positiv verlaufen sei. Alle Teilnehmer bekannten sich demnach im Grundsatz zu dem geplanten Abkommen und zu wesentlichen Zielen, besonders dem Zwei-Grad-Ziel. Allerdings zeichnet sich auch ab, dass ein Abkommen in Paris bestenfalls eine Grundlage legen wird, auf der später aufgebaut werden kann.

Welche Position nahm Deutschland bei dem Klimadialog ein?

Deutschland steht im internationalen Vergleich gut da. Merkel bekräftigte die Ziele, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken. Zahlungen für internationalen Klimaschutz will die Bundesregierung demnach bis 2019 auf jährlich vier Milliarden Euro verdoppeln. Allerdings gibt es Zweifel, ob die Klimaziele erreicht werden. So gibt es in Wirtschaft und Politik Widerstände gegen erforderliche Emissionsminderungen von Kohlekraftwerken.

Wie geht es weiter?

Nach dem Petersberger Klimadialog stehen Anfang Juni UN-Beratungen auf Beamtenebene in Bonn an. Auch auf dem G-7-Gipfel am 7. und 8. Juni im bayerischen Schloss Elmau soll der Klimaschutz ein wichtiges Thema sein. Vorgespräche der G-7-Energieminister dazu gab es bereits an diesem Dienstag in Berlin. Um Finanzfragen geht es im Juli auf einer Konferenz in Addis Abeba. Weitere Gespräche auf UN-Ebene sind im September vorgesehen. Die UN-Klimakonferenz findet vom 30. November bis 11. Dezember in Paris statt.

Petersberger Klimadialog begann mit Kanzlerin Merkel

Der Petersberger Klimadialog wurde nach dem Misserfolg des UN-Klimagipfels 2009 in Kopenhagen von der Bundeskanzlerin ins Leben gerufen, um der internationalen Klimapolitik neuen Schwung zu geben. Das informelle Dialogforum fand erstmals 2010 im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn statt. Schon seit 2011 ist Berlin der Tagungsort - der Name wurde aber beibehalten.

Quelle: AFP