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"Bremsklotz"

Kritik am geplanten Gaskraftwerk in Wustermark

Das in Wustermark geplante Gaskraftwerk widerspricht nach Ansicht eines Wissenschaftlers Bemühungen um eine alternative Energiegewinnung. Das Projekt sei ein "Bremsklotz" und völlig überdimensioniert. Die geplante Leistung könne ganz Brandenburg mit Strom versorgen.

Gasflamme© ArtmannWitte / Fotolia.com

Wustermark (dapd-lbg/red) - Das von der brandenburgischen Landesregierung befürwortete Projekt sei ein "Bremsklotz für die weitere Entwicklung erneuerbarer Energien und deren Industrie in Brandenburg", sagte der Energie- und Umweltexperte Jürgen Rochlitz am Donnerstag in Wustermark. Rochlitz ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Bürgerinitiativen für Umweltschutz sowie Mitglied der Kommission für Anlagentechnik, die in diesen Fragen auch die Bundesregierung berät.

Gaskraftwerk sei zu groß und zu nah an Ortschaften

Auf Bitten der Bürgerinitiative Wustermark, die den Bau des Kraftwerks verhindern will, habe er das Vorhaben bewertet und dabei "entscheidende Schwachpunkte" analysiert, sagte Rochlitz. Das geplante Gaskraftwerk, das die Advanced Power AG in der havelländischen Gemeinde entwickeln will, sei "zu groß und unflexibel, zu laut und zu ineffizient". Zudem sei der Abstand der Anlage zu angrenzenden Siedlungsbereichen zu gering.

Rochlitz monierte zudem eine unzureichende Risiko- und Störfallbewertung der geplanten Anlage sowie negative Folgen für benachbarte natürliche Lebensräume. "Größter Knackpunkt" sei jedoch die geringe Effizienz des 1.200-Megawatt-Kraftwerks. Der von den Planern diagnostizierte Netto-Wirkungsgrad von 59 Prozent sei im Vergleich mit anderen Kraftwerken zwar ein Spitzenwert. Allerdings würden in Wustermark allein 800 Megawatt nur über Ventilatoren "in die Luft geblasen", kritisierte Rochlitz. "Dass die Landesplanung das Vorhaben trotz dieses Defizits gutheißt, ist ein Trauerspiel."

Rochlitz: Solaranlagen machen Kraftwerk unnötig

Die von den Projektentwicklern angekündigte Bruttostromerzeugung des Gaswerks von jährlich elf Megawattstunden sei völlig überdimensioniert, sagte Rochlitz. Damit könne fast der gesamte Stromverbrauch des Landes Brandenburg von 14 Megawattstunden gedeckt werden. Inzwischen gebe es aber so viele Solaranlagen in Brandenburg, dass gar kein Bedarf für das Gaskraftwerk bestünde.

Der Bau des 1.200-Megawatt-Kraftwerks sollen 2012 beginnen und 2015 fertiggestellt werden. Die Investitionssumme wird vom Projektentwickler auf 640 Millionen Euro beziffert.