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Reform gefordert

Länder kritisieren Förderung des Biogas-Booms

Das schnelle Wachstum der Biogasbranche stößt zunehmend auf Kritik. Mehrere Bundesländer sind mittlerweile der Ansicht, dass die Förderung überdacht werden muss. Kritikpunkte sind die Entstehung von Monokulturen und die finanzielle Belastung der Verbraucher durch steigende Lebensmittelpreise.

Gaskosten© Jaap2 / iStockphoto.com

Hamburg (dapd/red) - Das Land Niedersachsen, Spitzenreiter bei der Stromerzeugung aus Biogas, wolle in der nächsten Woche im Bundesrat mit einem Entschließungsantrag eine Reform der bisherigen Subventionspolitik durchsetzen, da die "Grenzen des Wachstums" erreicht seien, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab. Kritik an der bisherigen Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) komme auch aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Der Magdeburger Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) halte die weitere Förderung "für nicht vertretbar".

Umweltbelastungen und Nutzungskonkurrenz

In Deutschland gebe es mittlerweile fast 6.000 Biogasanlagen, die zu fast 90 Prozent mit Mais betrieben würden, schreibt das Magazin weiter. Dadurch seien in der Landwirtschaft große Monokulturen mit fragwürdigen ökonomischen und ökologischen Folgen entstanden. Die Anbauflächen für Energiepflanzen wie Mais seien innerhalb eines Jahres von 530.000 auf 650.000 Hektar gestiegen. Folgen seien eine Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion und erhöhte Umweltbelastungen. Die Verbraucher zahlten so doppelt für den Biogasboom: über die Umlage beim Strompreis und durch steigende Lebensmittelpreise, etwa für Kartoffeln und Bier.

Die Bundesregierung will laut "Spiegel" Anfang des kommenden Jahres einen Entwicklungsbericht für das EEG vorlegen, der den Boom beim Biogas sehr kritisch sehe. Die nächste Novelle des EEG sei aber erst für 2012 vorgesehen. Bis dahin seien in Deutschland noch weitere 800 Biogasanlagen geplant.