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EU-Projekt

Landwirte rüsten gegen Klimawandel auf

Der Klimawandel macht sich in der Landwirtschaft bereits heute stark bemerkbar. Trockenperioden oder längere Winter erschweren den Anbau und lassen Ernten eher spärlich ausfallen. Die Internationale Bodenkonferenz hilft Landwirten mit GPS-Traktoren oder Blockheizkraftwerken bei der Anpassung an den Wandel.

Landwirtschaft© drsg98 / Fotolia.com

Hilzingen (dpa/red) - Klimawandel? "Der ist schon längst da", sagt Hans-Peter Buhl. Der Landwirt bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn rund 100 Hektar Ackerland, Grünland und Wald bei Hilzingen (Kreis Konstanz). Zudem halten sie rund 50 Milchkühe. "Wir bemerken den Wandel schon", sagt Buhl. In den vergangenen Jahren hätten beispielsweise die Trockenperioden zugenommen, ebenso wie Unwetter mit Hagel, Starkregen und Stürmen. "Wir gehen jeden Tag mit der Natur um. Das ist unser Kapital."

Ein europäisches Projekt

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, nehmen Doris und Hans-Peter Buhl an einem von der Europäischen Union geförderten Projekt der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) teil. Dabei werden zehn Modellbetriebe aus Deutschland, der Schweiz und Österreich auf Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel untersucht. "Wir analysieren erstmal, wo die Höfe stehen, schauen uns zum Beispiel an, wie viel Kraftstoff sie verbrauchen, oder wie sie ihre Böden bearbeiten", sagt Volker Kromrey, Projektleiter bei der Bodensee-Stiftung, die für die IBK die Betriebe unter die Lupe nimmt.

Einsparungspotenziale erkennen

Mithilfe eines Computerprogramms wird schließlich ausgerechnet, wo die Buhls und die anderen Höfe einsparen können. Schon jetzt haben sie - als Ergebnisse aus einem früheren EU-Projekt zum Klimaschutz - beispielsweise Wärmepumpen ausgetauscht und den Lagerraum für Gülle erweitert, damit sie erst dann düngen müssen, wenn das Wetter geeignet ist. Zudem brauchen sie wegen der längeren Verweildauer des Substrats in der Biogasanlage sieben Prozent weniger Energiepflanzen, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen.

GPS-Unterstützung für den Traktor

Und Hans-Peter Buhl fährt mit einem GPS-Gerät am Traktor. "Damit man nicht dieselbe Stelle zweimal düngt", sagt er. "Damit kann man sogar nachts fahren." Dass man die Augen trotzdem offenhalten muss, habe ihm aber ein Zusammenstoß mit einem Jägersitz gezeigt, fügt er lachend hinzu.

Anpassung an verändertes Klima

Sollte sich das Klima am Bodensee so weiter entwickeln wie bisher, könnte das für die Bauern auf deutscher, Schweizer und österreichischer Seite gravierende Folgen haben. "Es könnte sein, dass künftig zwei Ernten pro Jahr möglich sind", sagt Kromrey. Was auf den ersten Blick vielversprechend klingt, könnte aber einhergehen mit einer Wasserknappheit, die die Buhls schon jetzt spüren.

Biogas erzeugt Strom und Wärme

Die beiden Landwirte haben vor einiger Zeit mit der Biogasanlage auf ein weiteres Standbein gesetzt. "Das Blockheizkraftwerk hat 120 Kilowatt elektrischer Leistung und erzeugt Strom und Wärme", erklärt Hans-Peter Buhl. Die anfallende Abwärme werde zum Heizen des Wohnhauses und verschiedener weiterer Gebäude genutzt, Strom darüber hinaus ins Netz eingespeist. "Gefüttert" wird die Anlage mit Energiepflanzen - unter anderem Mais, Grünroggen, Weidelgras und anfallende Gülle und der Mist aus dem Milchviehstall.

Leitfaden soll entstehen

Die Landwirte müssten sich mit geeigneten Strategien auf den Wandel einstellen, sagt Kromrey. Unterschiedliche Fragen müsse man angehen: Lohnt es sich noch, in einen neuen Schlepper zu investieren? Setze ich lieber auf mehr Milchvieh oder doch eher auf eine größere Biogasanlage? Welche Pflanzen baue ich in Zukunft an, welche sind gegenüber den Veränderungen robust oder passen sich gut an? Wie wird sich die Futterqualität in den nächsten Jahren entwickeln? Anderthalb Jahre dauert das EU-Projekt, an dessen Ende auch eine Art Handlungsempfehlung stehen soll. "Wir wollen das beste aus Theorie und Praxis verbinden", sagt Kromrey.

Quelle: DPA