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"Genau prüfen"

Merkel bewertet Schiefergasförderung zurückhaltend

Die Bundesregierung steht der umstrittenen Fracking-Methode zur Gewinnung von Gas aus unzugänglichen Gesteinsschichten skeptisch gegenüber. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) plädierte für eine genaue Prüfung der Schiefergas-Förderung und hob vor allem den Aspekt der Sicherheit hervor.

Fracking© VKU/regentaucher.com

Berlin (dapd/red) - Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) kündigte ein Gesetz zum Verbot von Fracking in Trinkwasserschutzgebieten an, das er gemeinsam mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auf den Weg bringen will.

Bei der Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien in das Gestein gepresst, um es aufzubrechen und das Gas freizusetzen. Laut Umweltbundesamt gibt es ein Potenzial von 1,3 Billionen Kubikmetern Erdgas in sogenannten unkonventionellen Schichten, vor allem also Schiefer, Granit und Ton. Damit könnte der Erdgasbedarf der nächsten 13 Jahre gedeckt werden. Die Methode ist allerdings stark umstritten: Umweltschützer und Anwohner befürchten eine Verschmutzung der Umwelt und des Grundwassers.

Vergleich mit USA hinkt

In den USA hat die Förderung von Schiefergas zu einem Energieboom und zu niedrigeren Energiepreisen geführt. Merkel verwies im Interview der Zeitungsgruppe "Straubinger Tagblatt"/"Landshuter Zeitung" darauf, dass sich mit der Technik wahrscheinlich auch in Deutschland neue Gasvorkommen erschließen ließen, gab aber zu bedenken, dass die Deutschen "im Unterschied zu weiten Teilen der USA in einem sehr dicht besiedelten Land" lebten. "Deshalb müssen wir genau prüfen, ob diese Technik hier auch anzuwenden ist", fügte sie hinzu. Für sie sei das Wichtigste, dass von der Technologie keine Gefahren für Mensch und Umwelt ausgingen.

Auch Altmaier äußerte sich skeptisch. "Derzeit sehe ich nirgendwo in Europa die Vertretbarkeit von Fracking. Das gilt auch für Deutschland", sagte Altmaier der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er kündigte ein Gesetz an, das die Schiefergasförderung in Trinkwasserschutzgebieten verbiete und grundsätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorsehe. Nach Angaben des Umweltbundesamtes machen Trinkwasserschutzgebiete 14 Prozent der gesamten Fläche in Deutschland aus.

Prüfungen gingen nicht weit genug

Die Grünen bezeichneten den Vorschlag als Farce. "In einem großen Teil dieser Gebiete ist das schon heute verboten", sagte der Sprecher für Energiewirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, am Mittwoch in Berlin. Die Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung sei zwar richtig, reiche aber bei Weitem nicht aus. "Die wirklich wichtigen Fragen, wie zum Beispiel die Gefahr von Erdbeben, die Sicherheit von Bohrlöchern und die ungeklärte Entsorgung giftiger Abwässer, bleiben bei Altmaier völlig offen", kritisierte Krischer. "Es darf keinen Einstieg in eine Technologie geben, bevor nicht sämtliche Risiken geklärt und der Rechtsrahmen angepasst wurde", verlangte er.