Startseite
Historischer Pakt

Moskau feiert Mega-Gasdeal mit China

Der Gasvertrag zwischen Russland und China wurde nach jahrelangen Verhandlungen jetzt geschlossen. Für 400 Milliarden US-Dollar wird China nun über 30 Jahre lang mit russischem Gas versorgt. Strategisch ist der Deal nicht ohne Bedeutung: Experten sehen in der Vereinbarung auch ein Druckmittel gegen Europa.

China© Kristina Afanasyeva / Fotolia.com

Shanghai (dpa/red) – "Historisch" und "gewaltig": Mit großen Worten lobt Russlands Präsident Wladimir Putin den Mega-Gasdeal mit China. Für den Kremlchef ist der seit Jahren verhandelte Vertrag mit dem energiehungrigen Nachbarland ein bedeutender Schritt, der zur rechten Zeit kommt. In der schweren Ukraine-Krise drücken Russland die Sanktionsmaßnahmen des Westens. Nun hat Moskau ein Druckmittel in Energie-Verhandlungen mit der EU zur Hand, meinen Experten. Der Kreml ist zudem erbost, dass Brüssel ein Kartellverfahren gegen den russischen Staatskonzern Gazprom durchzieht.

"take or pay"-Formel

Putin hatte eingeräumt, dass die russische Wirtschaft bereits unter Druck stehe. Mit den vereinbarten 400 Milliarden US-Dollar (rund 290 Milliarden Euro) aus China über die nächsten 30 Jahre sieht die Zukunft aber deutlich rosiger aus. Das Geld scheint sicher - der Kontrakt gilt nach der Formel "take or pay". Falls Peking nicht die vereinbarten Gasmengen abnimmt, muss es dennoch zahlen.

Stundenlanges Feilschen

Deutlich mehr als 350 US-Dollar je 1.000 Kubikmeter Gas würde China überweisen, heißt es euphorisch in russischen Delegationskreisen. Das liegt nach Einschätzung von Experten näher am russischen Wunschpreis denn am chinesischen. "Attraktiv" nennt der Analyst Sergej Agibalow die Summe, die offiziell nicht bestätigt wird – "Geschäftsgeheimnis". Bis 4.00 Uhr früh sei in Shanghai gefeilscht worden, erzählt Alexej Miller, Putin-Vertrauter und Gazprom-Chef. Allerdings war in der Vergangenheit nach Einigungen beider Länder nicht alles glatt gelaufen.

Neuer Markt für Russland

Stunden später zeigt Miller sich breit grinsend beim offiziellen Handschlag mit seinem chinesischen Kollegen Zhou Jiping. "Russland und China haben den größten Gasvertrag in der Geschichte der Sowjetunion und Gazproms unterzeichnet", betont der Energieriese in einer Mitteilung. "Wir haben einen völlig neuen Markt mit riesigem Potenzial für russisches Gas geöffnet." Das passt zu Putins Drohung an die EU, Moskau werde sich stärker nach Osten wenden.

Strategische Bedeutung

Im Konflikt mit dem Westen setzt Russland verstärkt auf China, das bereits im Syrien-Krieg im UN-Sicherheitsrat treu an der Seite Moskaus stand. Der Gasvertrag sei von strategischer Bedeutung, jubelt der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow. US-Präsident Barack Obama sei mit seinem Vorhaben gescheitert, Russland international zu isolieren. Ganz offensichtlich ist zudem, dass Putin gut mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping kann - anders als mit den EU-Granden.

Die Gunst der Stunde

Zunächst aber sind gewaltige Investitionen notwendig. Von insgesamt 70 Milliarden Dollar ist die Rede. Schließlich müssen die Pipelines noch gelegt werden, vor 2018 wird kein Gas fließen. Und klar ist: China hat nicht rein aus Freundschaft gehandelt. Vielmehr habe Peking die Gunst der Stunde genutzt, meint Moritz Rudolf vom Mercator Institut für China-Studien (MERICS). "China ist der große Gewinner der Ukraine-Krise - durch das Gasabkommen ganz besonders", sagt Rudolf der Nachrichtenagentur dpa.

China braucht das Gas dringend

Die Vereinbarung ebne den Weg für noch engere Beziehungen zwischen dem russischen Bären und dem chinesischen Drachen, meint der außenpolitische Experte Cheng Xiaohe von der Volksuniversität in Peking. "China und Russland können große Hindernisse überwinden. Das hat die Einigung gezeigt", sagt Cheng. Auch China habe nach rund zehnjährigen Verhandlungen zurückgesteckt. Das rohstoffhungrige Reich hat die Gaslieferungen dringend nötig, auch um endlich die Abhängigkeit von umweltschädlicher Kohle zu verringern. Die Bilder von den smog-erstickten Großstädten sorgen weltweit für Aufsehen.

Trotz aller Gemeinsamkeiten sei es für eine enge Allianz mit Russland noch zu früh, warnt Cheng. China könne sein Verhältnis zu den USA nicht für Russland aufs Spiel setzen. "Diesen Fehler dürfen wir nicht machen", warnt der Politikwissenschaftler in Peking.

Quelle: DPA